ZWISCHEN GESTERN UND HEUTE IM KINGS PARK IN PERTH (BEITRAG)

GWenn ich nur ein Wort zur Verfügung hätte, um das hier zu beschreiben, dann wäre es wohl: supercalifragilisticexpialigetisch. Jeder, der das Filmmusical „Mary Poppins“ kennt, der weiss wovon ich rede. Jedes andere Wort käme dem nicht ansatzweise gerecht. Leider wird der Westen Australiens recht oft unterschätzt. „Normalerweise“ besuchen viele Reisende lediglich die Ostküste. Ist auch verständlich. Der Osten lockt mit großen Namen wie Sydney, Melbourne, Brisbane und dem Great Barrier Reef. Doch wir beginnen unser Australien-Abenteuer ganz untypisch im Westen. Im „echten“ Teil von Australien, wie es viele hier nennen. Um genau zu sein in Perth, der „City of Lights“ im Bundesstaat Western Australia.

Warum die Stadt diesen tollen Namen trägt, liegt daran, dass ungefähr 99,99% des Jahres strahlender Sonnenschein und azurblauer Himmel Hand in Hand gehen. Dadurch ist es immer so hell, dass manche sogar nachts gern ihre Sonnenbrille anlassen. Das ist eine Beschreibung des Namens. Es gibt noch ein paar weitere, aber mir hat diese ziemlich gut gefallen und vor allem trifft sie absolut zu.
In Perth, der Hauptstadt des Bundesstaates Western Australia, gibt es leider oder besser gesagt „glücklicherweise“ so viel zu sehen, erleben und unternehmen, dass wir beschlossen haben, eine Weile hier zu bleiben. Angi und ich haben das Glück, bei meiner Tante in ihrem gigantischen Haus, im wunderschönen Stadtteil Wembley zu wohnen und können von dort aus unsere Erkundungstouren starten. Wembley liegt im Prinzip genau in der Mitte zwischen Innenstadt und Strand. In jede Richtung muss man nicht viel länger als zehn Minuten mit dem Bus fahren und kommt schon an der Wunschhaltestelle an.
Meine Tante ist an Reisende aus der ganzen Welt gewöhnt, da sie sich in Kooperation mit ein paar Sprachschulen in Perth als Gastfamilie anbietet. So ist immer Leben in der Bude und man lernt viele nette Menschen und andere Kulturen sowie Länder kennen. Zur Zeit platzt das Haus aus allen Nähten, denn neben meiner Tante leben mein jüngerer Cousin, eine Japanerin, ein Japaner, ein Deutscher und wir zwei bei ihr. Das heisst aber auch, dass man immer jemanden hat, mit dem man etwas unternehmen kann und wir problemlos eine Rugby-Mannschaft stellen könnten – sofern man das 7er-System spielt.

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In unserer ersten Woche gibt es schon viele Highlights, aber eins hat mir besonders gut gefallen: Kings Park and Botanic Garden. Der Stadtpark in Perth ist in seiner momentanen Größe sogar größer als der Central Park in New York. Die Betonung liegt auf „momentan“, denn die Australier nehmen es da nicht so genau und erweitern den Park hier und da gerne mal noch um ein paar Meter oder eine Brücke oder eine neue Pflanzenart. Wobei sie bei letzterem doch wiederum sehr genau sind: lediglich Pflanzen, Blumen und Bäume aus Westaustralien dürfen hier angepflanzt werden. Zum Beispiel die „Känguru Blume„, die aussieht, als hätte jemand kleine Känguru Pfoten zusammengebunden. Allgemein wird das Blumen- und Pflanzensystem hier strengstens kontrolliert – fast so stark wie die Einreisenden nach Australien.
Wir sind nun schon ein paar Mal durch den Park gelaufen, gefahren und geradelt und es gibt immer etwas Neues zu entdecken. Besonders empfehlen kann ich eine der Free Guided Tours quer durch den Park. An der Stelle ist zu erwähnen, dass in Perth so ziemlich alles kostenlos ist. Das ist wirklich extrem cool. Es gibt vier Buslinien, die sogenannten CATS (Central Area Transport Service), die einen in der FTZ (Free Transit Zone) überall hinbringen. Und diese Zone beschränkt sich nicht etwa nur auf den Stadtkern, wie man es vielleicht von jeder europäischen Großstadt erwarten würde. Oh, nein! In Perth hat man quasi die Chance, eine kostenlose Stadtführung mit den Bussen zu machen und wirklich ALLES zu sehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Jedenfalls haben wir mit einer kleinen Gruppe, bestehend aus ein paar Briten, mehreren Australiern und zwei Neuseeländern eine der kostenlosen Tour „Kings Park – Past and Present“ mitgemacht und die liebevolle Parkführerin Jennie hat uns alles über die Denkmäler und die Geschichte hinter dem Kings Park erzählt. So wissen wir nun, dass der Park 1872 gegründet wurde, aber erst seit 1901 seinen heutigen Namen zu Ehren King Edward VII erhielt. Obwohl der Park schon unter der Herrschaft von Queen Victoria gegründet wurde, redet keine Sau mehr von ihr. Das ist zwar ein bisschen schade und Victoria wäre darüber bestimmt „not amused“, aber so ist das Leben.

Überall im Kings Park spürt man den australischen Geist und den Stolz der Nation. Aber er wird einem nicht so rein geprügelt wie in den USA. Die Australier sind da schon eher britisch veranlagt und zeigen den Nationalstolz nur unterschwellig. Ausser beim Thema ANZAC. Da rasten Australier und Neuseeländer völlig aus und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter. Dass sie sich nicht noch auf den absolut perfekt gepflegten Rasen werfen und öffentliche Liebe vollziehen, ist aber auch schon alles. ANZAC ist nicht etwa das nächste Slangwort nach SWAG, es ist ein Akronym und steht für „Australian and New Zealand Army Corps“. Und immer wenn dieses Wort fällt, sind die Ozeanier komplett aus dem Häuschen. Es ist aber irgendwie auch süß zu beobachten, wie die Brust der Männchen anschwillt und sich die Bäckchen der Weibchen in einem angenehmen Rot einfärben. Nach ungefähr fünf Minuten ist dieses Spektakel auch wieder vorbei, alle haben sich beruhigt und es geht weiter zur nächsten Station.

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Fast zwei Stunden nimmt sich Jennie für uns Zeit und führt uns quer durch den Botanischen Garten. Gegen 14 Uhr verabschiedet sie sich und nimmt die nächste Gruppe mit auf eine Reise durch die Vergangenheit.

Wenn man keine Lust hat auf die gegenseitigen Liebesgeständnisse der Australier und Neuseeländer bei einer dieser kostenlosen Touren, dann nimmt man das einfach selbst in die Hand. Das nötige Informationsmaterial gibt es zu Genüge am Fraser Avenue Precinct – dem Bereich für alle Fragen rund um den Kings Park and Botanic Garden. Hier gibt es neben dem Besucherinformationszentrum auch einen Shop, ein Restaurant, ein Café und einen kleinen Kiosk. Haltestellen für Bus, Tram und Taxi sind ebenfalls vorhanden.
Angi und ich entscheiden uns auch für eine der Self Guided Tours durch den Rest des Parks. Diese Tour führt uns den „Lotterywest Federation Walk“ entlang bis zu einer Glasbrücke undvorbei am DNA-Tower einem Turm, der aussieht, als hätte man ihn einem Menschen aus dem Rückenmark geschnitten. Die ganzen Picknickbereiche, Spielplätze und Festivalzonen lassen wir mal aus. Davon gibt es einfach zu viele und sie sind verteilt über den gesamten Park. Auch im Bereich des Parks, der Australiens Outback nachempfunden ist, kann man unglaublich interessante Tiere und Pflanzen sehen. Die meisten Tiere verstecken sich leider tagsüber im Busch und kommen erst nachmittags oder abends hinter den Bäumen und Sträuchern hervor, aber dann säumen sie die kleinen Wege und Pfade, die kreuz und quer verlaufen.

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Was es hier auch gibt, ist ein „Outdoor Cinema“. Aus Deutschland kennt man die Open Air Kinos, die es im Juli oder August für knappe zwei Wochen gibt. In Australien werden im Moonlight Cinema im Kings Park den ganzen Sommer über Filme gezeigt. Jeden Abend! Von Klassikern wie „Grease“ über „Zurück in die Zukunft“ bis hin zu neuen Blockbustern wie „Rogue One: A Star Wars Story“ ist hier für jeden etwas dabei. Also lohnt sich ein abendlicher Spaziergang durch den Park allemal. Man weiss ja nie, welcher Film heute läuft.

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Alles in allem lässt sich sagen: supercalifragilisticexpialigetisch. Denn alles andere würde nicht der Wahrheit entsprechen. Zudem nimmt der Kings Park and Botanic Garden nur einen kleinen Teil der Stadt Perth ein – also haben wir eigentlich noch nichts von Perth gesehen.
Wir bleiben aber neugierig und erkunden in den kommenden Tagen auch den Rest der „City of Lights“.