Ha Noi?! Ja, bin ich denn etwa wieder bei den Schwaben gelandet? Ich fühle mich für eine Sekunde zurück nach Stuttgart versetzt. Wir sind hier jetzt aber in Vietnam. Und in Vietnam bedeutet Ha Noi was ganz anderes, nämlich die „Stadt innerhalb der Flüsse“. Sie ist die Hauptstadt und nach Ho Chi Minh City die zweitgrösste Stadt Vietnams. Gleichzeitig ist sie die älteste noch bestehende Hauptstadt Südostasiens. Also, wenn das nicht Grund genug ist, unsere einmonatige Reise durch Vietnam hier zu starten, dann weiss ich auch nicht.

UNTERWEGS IN HANOI

Eines direkt vorweg: Hanoi ist recht weitläufig und grösser als man im ersten Moment denkt. Vor allem die Sehenswürdigkeiten sind ziemlich verstreut – als wollten die Vietnamesen, dass man als Tourist auch wirklich alle möglichen Winkel der Stadt begutachtet. Und um das zu tun, gibt es mehrere Möglichkeiten:

Zu Fuss:
Nachdem wir einmal ein Taxi genommen haben und ganz schön abgezockt wurden, haben wir uns dazu entschieden, lieber zu Fuss zu gehen. Hanoi ist ziemlich gross, wir haben uns also gehörig die Latschen wundgelaufen.
Ausserdem lebt man hier als Fussgänger nicht ungefährlich. Vor allem wenn man die Strasse überqueren will. Das ist der reinste Albtraum. Von allen Seiten kommen sie heran gerast, die Auto-, Roller- und Cyclo-Fahrer. Nach ein, zwei eher harzigen Versuchen, gewöhnt man sich aber doch überraschend schnell an das wilde Treiben und wird sogar richtig mutig. Denn man merkt, es macht sowieso keinen Unterschied, ob man bei einem Fussgängerstreifen brav auf grün wartet oder die Strasse einfach irgendwann und irgendwo überquert, wo sich gerade eine noch so klitzekleine Lücke auftut. Weil hier scheinen Fussgängerstreifen und Ampeln eh niemanden zu interessieren. Also am besten läuft man einfach mal auf gut Glück los und bahnt sich seinen Weg zwischen den Rollern, Autos und Bussen hindruch. So haben es Pam und ich gemacht – und wir leben noch. Hurra! Wir wünschen Hals und Beinbruch.

Mit dem Taxi/Cyclo:
Wer vom Laufen schon Blasen an den Füssen hat, kann sich natürlich auch ein Taxi nehmen. Aber Achtung, als Tourist wird man hier gerne mal verarscht. Selbst bei Taxis mit Taxometer. Da fährt der Fahrer halt einfach mal eine grössere Schlaufe, um mehr Geld verlangen zu können. Am besten kennt man seine Route also genau und versucht immer im Voraus den Preis zu verhandeln. Und selbst dann kann es durchaus sein, dass der Taxifahrer am Schluss mehr will, als vereinbart. Das ist Vietnam, die nehmen das hier nicht so genau.
Dasselbe gilt für Cyclos, eine Art Fahrradrikscha und der Klassiker der Stadt. Mittlerweile dienen sie aber nur noch als Touristenattraktion und deshalb lungern die Cyclo-Fahrer den Touristen auch an jeder Strassenecke auf.
Wer nicht nur Geld sondern auch Nerven sparen will, für den sind UBER oder Grab gute Alternativen. Man bucht sich das Taxi einfach per App an einem der zahlreichen und kostenlosen WLAN-Spots und bezahlt problemlos den angezeigten Preis entweder bar oder per Kreditkarte.

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UNTERKUNFT

In Hanoi gibt es eine Vielzahl an Unterkünften. Da ist auch für jedes Budget etwas dabei. In der Altstadt findet man viele Hostels mit guten Preisen. Wir mussten uns in Hanoi jedoch für einmal nicht um einen Schlafplatz kümmern, denn mein Arbeitgeber hat uns zum Abschied drei Nächte in einem richtig tollen Hotel in Hanoi geschenkt. Das Hotel de l’Opera Hanoi liegt wie es der Name vermuten lässt, direkt beim Opernhaus. Oper steht ja bekanntlich für Luxus. Und so verhält es sich auch mit unserem Hotel. Als wir zwei mit unseren Rucksäcken bepackt eintrudeln, ziehen wir daher auch einige verwirrte Blicke auf uns. Wir passen hier eigentlich gar nicht rein. Aber egal, wir sehen es als Grund, es umso mehr auszukosten. So entspannen wir zum Beispiel auf den Liegestühlen am Swimmingpool im 3. Stock. Von hier aus hat man einen spektakulären Blick auf das rasante Treiben unten auf der Strasse. Der Pool ist zwar nicht sonderlich warm, aber dafür gibt es eine Sauna. Die ist zwar auch nicht sonderlich warm. Aber dafür ist es sonst schon warm genug. Wir sind ja schliesslich in Vietnam. Aber um wieder zum Hotel zurückzukommen: es ist herrlich hier. Vor allem das Bett. Das ist unser beider Favorit. Es fühlt sich an, als sei man auf Wolken gebettet. Traumhaft! Darum schlafen wir darin wahrscheinlich auch jede Nacht unsere guten 10-12 Stunden. Und wenn wir damals schon gewusst hätten, dass wir nie wieder so gut schlafen würden in unserer restlichen Zeit in Vietnam, hätten wir wahrscheinlich noch länger geratzt.

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ESSEN

Wenn ich die Essenserfahrung in Hanoi mit einem Wort beschreiben müsste, wäre dieses wohl „interessant“. Denn oftmals wissen wir nicht, was wir da genau bestellen bzw. bekommen. Wir gehen meistens dort hin, wo möglichst viele Einheimische und möglichst wenige Touristen sind. Das macht es zwar nicht unbedingt einfacher, denn fast keiner spricht Englisch, aber es ist dafür extrem lecker und ausgesprochen billig. Wir essen meistens für umgerechnet etwa 1-2 € / CHF. Und das Essen wird frisch vor unseren Augen zubereitet. Oft mit viel Salat und Minze. Wer mich kennt, weiss, dass ich eigentlich keine Minze mag. Aber diese hier hat es mir angetan. Von der Thai-Minze kann ich kaum genug bekommen.

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TRINKEN

„Bia Hoi“, was soviel heisst wie frisches Bier, gibt es hier an jeder Strassenecke zu finden. Es schmeckt gut und kostet zudem nur etwa 50 Cent / Rappen, wenn’s hoch kommt. Also: “Hai Bia!” – zwei Bier, bitte!
Wenn es noch zu früh für Bier ist (was eigentlich selten vorkommt, aber vielleicht mal morgens oder so), kann man in Hanoi auch guten Kaffee trinken. Der vietnamesische Kaffee schmeckt leicht süsslich mit einer dezenten Schokoladennote. Dazu wird meist noch süsse Kondensmilch gekippt. Also eine ziemlich süsse Angelegenheit. Für mich eigentlich zu süss. Aber als Eiskaffee geht’s. Wenn die Eiswürfel ein bisschen (aber noch nicht zu viel) geschmolzen sind, hat der Eiskaffee die perfekte Süsse. Danach wird er irgendwann einfach nur noch wässrig. Bedeutet also: den perfekten Moment abwarten und dann am besten in einem Zug leer trinken.
Wenn man sich beim Trinken etwas Zeit lassen will und sich etwas gönnen möchte, empfehle ich einen Coconut Coffee (Kokosnuss Kaffee) – mein neues absolutes Lieblingsgetränk. Wie der Name schon sagt, ist es Kaffee mit Kokosnussmilch und natürlich auch etwas Kondensmilch – für die Süsse.   

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FRENCH QUARTER

Das French Quarter ist bekannt für seine Boulevards, Parks und pompösen Gebäude, wie z.B. die Oper. Ausserdem finden sich hier viele teure Modehäuser und Luxuseinkaufszentren. Zum ein bisschen Flanieren, bietet sich das französische Viertel also bestens an. Es fühlt sich aber ein wenig surreal an. Ausserdem kommt es mir vor, als wären wir irgendwo anders, zumindest nicht in Vietnam.

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HOAN KIEM SEE

Dieser See liegt mitten in der Stadt, direkt zwischen dem einstigen französischen Kolonialviertel und Alt-Hanoi. Der Name des Sees (See des zurückgegebenen Schwertes) geht auf eine alte Vietnamesische Legende zurück. Anfang des 15. Jahrhunderts übergab der Sage nach eine riesige, im See lebende, goldene Schildkröte einem armen Fischer ein magisches Schwert, welches ihn unbesiegbar und später zum König machte. Aus Dankbarkeit erbaute dieser König mitten im See auf einer kleinen Insel den dreistöckigen Schildkrötenturm, der bis heute das Wahrzeichen Hanois ist.

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OLD QUARTER

Das Old Quarter ist wie es der Name schon vermuten lässt, die Altstadt Hanois. Sie ist das kulturelle Herz der Stadt und ein einziges Wirrwarr aus kleinen Gassen und Strässchen. Zum Teil sind sie kaum breit genug hindurch zu laufen, aber ein Roller passt immer noch durch. Im alten Viertel gibt es viele Läden, die einem alles mögliche anbieten, viele Restaurants, Bars, und die „Beer Street“. Abends werden da lauter kleine Plastikstühle aufgestellt und frisches Bier serviert.

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HOA LO GEFÄNGNIS

Das frühere Gefängnis dient heute als Museum. Es zeigt die Geschichte vor 1954, als die Franzosen hier vietnamesische Patrioten und Revolutionäre festgehalten und gefoltert haben. Später während dem Vietnamkrieg wurde es dann zur Inhaftierung amerikanischer Kriegsgefangenen genutzt. Seither wird es auch „Hanoi Hilton“ genannt, um die angenehmen Haftbedingungen der Amerikaner zu unterstreichen. Wir fanden das Gefängnis und seine Geschichte sehr spannend. Unserer Meinung nach ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

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HO CHI MINH MAUSOLEUM UND MUSEUM

Hier wird der Nationalheld Ho Chi Minh aufbewahrt. Das Mausoleum ist nur morgens für drei Stunden geöffnet. Da wir nicht so die Morgenmenschen sind, haben wir es deswegen leider verpasst. Pam und ich haben uns stattdessen das Museum angeschaut. Es war ehrlich gesagt ein bisschen komisch. Neben der Geschichte Vietnams und Ho Chi Minhs, wurden immer wieder moderne Kunstwerke aufgebaut, um das ganze zu veranschaulichen. Mich hat es aber mehr verwirrt.

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TRAIN STREET

Das ist eigentlich gar keine offizielle Sehenswürdigkeit, doch verirren sich immer mehr Touristen hier hin. Kein Wunder. Denn mir hat es von allem, was wir uns angeschaut haben, eigentlich auch am besten gefallen. Es handelt sich hierbei um eine Wohngegend in Hanoi, durch die jeden Tag ein bis zwei Mal der Zug fährt. Und zwar mitten durch. Es ist eindrücklich zu sehen, wie selbstverständlich sich hier das Leben an den Schienen abspielt. Und wenn der Zug kommt, wird einfach alles kurz weggeräumt und danach wieder aufgebaut. Eine Karte, wo sich die „Train Street“ befindet, gibt’s hier.

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Nach vier Tagen verlassen wir Hanoi Richtung Halong Bay. Wir haben viel gesehen, viel erlebt, viel gegessen und viel „Bia Hoi“ getrunken. Kurz gesagt: wir hatten eine tolle Zeit in Hanoi. Jetzt freuen wir uns auf den Rest von Vietnam und sind gespannt, was uns alles noch so erwartet.