TAGEBUCH EINES VOLLZEITREISENDEN, 12.07.17 (BEITRAG)

Ich vernehme Klänge, die so weit von einem Rhythmus entfernt sind, wie ich, davon nach Australien einzuwandern. Es klingt, als trommle ein völlig besoffener wahllos auf irgendwelche Bongos ein, oder wie auch immer dieses Instrument heißen mag. Ich weiß es immer noch nicht. Jedenfalls bedeuten diese Klänge auf Bali nur eins: eine Zeremonie ist im Gange. Welchen Ausmaß die Zeremonie hat, kann man anhand der irreführenden Töne leider nicht sagen. Denn es gibt Zeremonien, die Tage dauern und an diesen Tagen mehrere Stufen durchlaufen, bis alle Teilnehmer mindestens einmal in Ohnmacht gefallen sind oder in Trance wie Wahnsinnige mit ihren Armen umherschlagen und rumbrüllen als hätte ihnen gerade jemand ein Messer in den Leib gestoßen. Und es gibt welche, die so schnell aufhören, wie sie angefangen haben: nach ein paar Stunden ist alles vorbei. Was aber gleich bleibt, ist die Musik. Wobei Musik an der Stelle weit hergeholt ist. Meine Neugier ist geweckt, also laufe ich mal aus unserer Villa ins Freie und schaue mich um. Es klingt so als kommen die Töne aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Und siehe da: es sind tatsächlich unsere direkten Nachbarn. Irgendwann über den Tag haben sie eine voll funktionsfähige Bühne aufgebaut und so viele Opfergaben rangeschafft, dass man kaum noch den Boden des Grundstücks erkennen kann. Zwischen einer der wahllos aneinander gereihten “Ding, dong, ding, dang, dung, dong”-Reihen flöten sich die Männer einen ab und die Frauen sitzen entweder wie angewurzelt im Schneidersitz daneben oder zünden zu den sowieso schon 1.856 brennenden Räucherstäbchen zur Sicherheit lieber noch mal welche an. Kann ja nie schaden. Wozu auch frische Luft atmen, wenn man die Lungenflügel auch komplett mit Rauch füllen kann, der nach Papaya riecht? Trotz dem ganzen Sarkasmus muss ich sagen: eine lustige Truppe, die da drüben so sitzt und ihrem Gott huldigt. Alles in allem bleibe ich dann doch mehrere Minuten gespannt stehen und versuche die komplette Situation in mir aufzunehmen.
Das ist Bali. Das ist die hiesige Kultur. Und das ist gut, so wie es ist. Ich bin froh dabei gewesen zu sein und auch bei den nächsten taktlosen Klängen werde ich wieder gespannt lauschen.