Der letzte Teil unseres Roadtrips zeigt sich von seiner schönsten Seite. Unglaublich tolle Strände, hohe Berge und massenhaft Kängurus machen den Great Ocean Drive bei Esperance und den Besuch im Cape Le Grand National Park zu etwas Einzigartigem.

Great Ocean Drive

Der Name dieser Strecke sagt eigentlich schon alles. Hier ist wirklich alles „Great“. Die Schleife führt einen vom Stadtkern von Esperance der Küste entlang an zahlreichen Stränden, Aussichtspunkten und anderen beeindruckenden Plätzen vorbei, wieder zurück zur Stadt. Da wir in der Nähe vom Pink Lake wohnen, sind wir nur ein paar Meter von diesem Great Ocean Drive entfernt und fahren ihn daher ein paar Mal ab. Egal wo wir Halt machen: ein Strand ist schöner, als der andere. Noch nie habe ich so viele atemberaubende Strände, Buchten und Felsformationen gesehen wie in Esperance. Dieser Great Ocean Drive ist wirklich einmalig. Anders als normal, haben Angi und ich die Strecke von hinten aufgerollt. Wir haben uns sozusagen die Stadt als Ziel genommen und nicht bei ihr begonnen. Erste Station war der Eleven Mile Beach. Dieser Abschnitt ist bekannt für seine raue Natur, die auf den Strand prallt. Aber genau das ist es, was uns so fasziniert. Danach haben wir uns über die Ten Mile Lagoon und die Wind Farm zum Nine Mile Beach vorgearbeitet. Auch dieser Strand ist einmalig. Eine sehr felsige Wand trennt den puren weißen Sand vom roten Dreck auf der Straße.

ROADTRIP DURCH WESTAUSTRALIEN TEIL 9: CAPE LE GRAND NATIONAL PARK (BLOG)

Als nächstes geht’s weiter über den Observatory Point, von dem man einen atemberaubenden Blick über die vielen kleinen Insel vor der Küste hat, zum Twilight Beach. Nein, dieser Strand hat nichts mit der bekannten Buchreihe zu tun, aber er hat sicherlich genauso viele Menschen in seinen Bann gezogen. Außerdem ist er ein bekannter und beliebter Surfspot. Hier laufen die Menschen scharenweise mit Boards unter den Armen an einem vorbei. Geschützt durch ein paar Felsen und kleineren Inseln ist der Wellengang perfekt für einen morgendlichen oder abendlichen Surfgang. Nachdem wir noch nicht richtig surfen können, geht’s wieder zurück zu Nobody und weiter entlang der Küste. Über den Fourth Beach und Salmon Beach kommen  wir zum Blue Haven, der seinem Namen alle Ehre macht. Nie zuvor kam mir das Blau so blau vor und das Wasser derart klar. Man kann gefühlt 2 km weit aufs bzw. ins Wasser schauen und sieht immer noch jeden kleinsten Fisch. Absolut irre! Die letzten Stationen des Great Ocean Drives sind Chapman’s Point, West Beach und der Rotary Lookout. Alle drei Punkte zusammengenommen bilden mehr oder weniger den Stadtstrand von Esperance. Hier gehen die Einwohner schwimmen, wandern oder genießen einfach nur bei einem Glas Rotwein den Sonnenuntergang über dem Wasser. Leider kann man die Schönheit diesen Teils der Erde nicht wirklich in Worte fassen. Es ist als ob man sich in einer anderen Welt befindet und für den Moment, in dem man einfach nur dasteht, der Wind einem um die Ohren weht und man aufs Wasser blickt, ist alles in Ordnung und nichts kann einem anhaben. Dieses Gefühl tragen wir mit uns, als wir vom Great Ocean Drive abbiegen und unseren Schlafplatz ansteuern. Um es kurz zu machen: ich habe noch nie einen schöneren Flecken Erde gesehen.

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Cape Le Grand National Park

Von einem schönen Fleck, geht’s gleich zum nächsten. Ich habe das Gefühl die Bewohner von Esperance oder der Umgebung müssen die ganze Zeit mit einem fetten Grinsen im Gesicht durch die Gegend laufen, denn hier kann man nur gute Laune haben. Also schauen wir uns halt nochmal einen tollen Ort an. Man gönnt sich ja sonst nichts. Zumal diese eine Bucht ganz oben auf unserer Liste für Westaustralien steht: Lucky Bay.

Lucky Bay

Am Strand von Lucky Bay liegt auch wie an den meisten anderen Stränden hier in der Gegend weißer Sand. Aber gegen diesen Sand können alle anderen Strände einpacken. Der Sand im Cape Le Grand National Park ist so weiß und rein, dass er unter den Füßen knirscht, als laufe man über frischen Schnee! Ja, Schnee. Ich kann’s selbst kaum fassen, aber es ist so. Diese Reinheit gibt es sonst nirgends. Ich laufe über diesen Strand und möchte nie wieder woanders hin. Hier stimmt einfach alles. Die Temperatur ist perfekt, das Wasser ist perfekt, der Sand ist perfekt und die Stimmung ist perfekt. Also alles perfekt, könnte man sagen. Auch der Campingplatz, auf dem wir übernachten ist perfekt. Kängurus hüpfen um den Van herum und legen sich wie Wachhunde vor unseren Pavillon. Jetzt ein bisschen chillen, das wär’s. Aber bekanntlich kommt erst die Arbeit und dann das Vergnügen. Also entscheiden Angi und ich uns erstmal kurz den höchsten Berg der Gegend zu besteigen und dann am Strand zu faulenzen. Gesagt, getan. Oder so ähnlich.

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Fenchman’s Peak

Wir fahren zu Frenchman’s Peak – dem besagten Berg. Mit einer Höhe von 262 Metern ragt der Hügel (für Schweizer Verhältnisse) über den Rest der Landschaft. Als wir am Fuße des Berges ankommen, stellen wir recht schnell fest: ganz schön hoch und ganz schön steil. Da sich die Aussies wenig aus dem Bauen eines professionellen Wanderweges machen, halten wir uns halt an die provisorisch platzierten Wegmarkierungen die einem den anscheinend besten Weg für den Aufstieg zeigen. Mit einer Steigung von ungefähr 45° ist das recht harte Arbeit sich bis zur Spitze hochzuarbeiten, wenn man bedenkt, dass man einfach auf Felsgestein geht Gewisse Abschnitte sind nur auf allen Vieren zu bewerkstelligen und so besteigen Angi und ich unseren ersten Berg Meter um Meter. Bei ungefähr 150 Höhenmetern hat auch unser Smartphone plötzlich wieder Empfang und so können wir der Welt per Social Media zeigen, wo wir gerade sind und was wir machen. Als dann auch die letzten Meter geschafft sind, stehen wir am Gipfel unserer noch jungen Bergsteigerkarriere sowie des Bergs. Jetzt wissen wir auch, dass es die ganz Mühe wert war, denn uns bietet sich ein Blick, den man nur schwer beschreiben kann. Ich versuche es dennoch: sieht echt ganz nett aus. Man blickt über den gesamten Cape Le Grand National Park und ich meine am Horizont auch Deutschland sehen zu können. Aber vielleicht täusche ich mich in dem Moment auch nur. Jedenfalls genießen wir diesen Blick in völliger Einsamkeit. Das ist der Segen und zugleich der Fluch von Westaustralien: egal wohin man geht, keine Menschenseele ist dort. Dieses Bundesland ist ungefähr viermal so groß wie Deutschland und das ist nur ein Teil von Australien. Von den ungefähr 2 Millionen Einwohnern Westaustraliens leben 1,8 Millionen in und um Perth. Also trifft man hier echt nicht viele Aussies. Normalerweise sagt man, dort wo die Locals hingehen, muss es schön sein. Wenn man aber keine Locals sieht, ist das etwas schwer. Naja, wir haben das Beste draus gemacht und nach einer Weile in Westaustralien, gewöhnt man sich auch an die Einsamkeit. Ich hab ja noch Angi und meine PlayStation Vita, da geht das schon. Zu den anderen Buchten und Stränden im Cape Le Grand National Park lässt sich gar nicht mehr so viel sagen, außer: oh mein Gott, ist das schön hier! Egal ob man bei Hellfire Bay, Thistle Cove oder dem Cape Le Grand Beach aussteigt, jedes Mal bietet sich einem ein Anblick der einen beinahe aus den Socken haut. Sogar nach dem 100. Mal wird das nicht langweilig. Soviel dazu. Jeder findet wohl auf so seiner Reise einen Flecken, bei dem er oder sie sagt: jetzt kann ich in Ruhe sterben. Auch ich habe ihn gefunden und will am liebsten nie wieder weg. Aber wer weiß: vielleicht kommen noch viele weitere solcher Flecken und außerdem will ich noch ein bisschen unter den Lebenden weilen – ist gerade so schön hier.

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