ROADTRIP DURCH WESTAUSTRALIEN TEIL 8: NINGALOO REEF (BEITRAG)

An die unwillkommenen Begleiter haben wir uns so langsam gewöhnt. Oder vielleicht auch nicht? Aber beim Anblick des Cape Range National Parks sind die Fliegen auch fast schon wieder vergessen. Wir sehen nämlich den schönsten Sonnenuntergang unserer bisherigen Reise und schnorcheln im Ningaloo Reef umgeben von tausenden Fischen und sogar ein paar Haien.

Coral Bay (Bill’s Bay)

So langsam haben wir den Norden erreicht. Die Temperaturen klettern auf über 40° Celsius und die Luftfeuchtigkeit steht bei angenehmen 87%. Also eigentlich die perfekten Voraussetzungen, um in Coral Bay schwimmen zu gehen. Und das machen wir auch, direkt als wir morgens eintreffen, noch vor dem Frühstück. Bei Bill’s Bay stellen wir Nobody an einen schattigen Platz und begeben uns ins flache, angenehm kühle Wasser. Hier verbringen wir erstmal eine Weile, denn bei den Temperaturen funktionieren die Körper von Angi und mir nicht wirklich einwandfrei. Selbst der Weg vom Van zum Wasser ist anstrengend und aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit schwitzen wir beide einfach die ganze Zeit. Das ist vor allem sehr angenehm, wenn man nachts um 23 Uhr versucht bei 34° Celsius einzuschlafen. Die ersten Nächte ist nicht an Schlaf zu denken und wenn, dann nur ein paar Stunden, denn ab 8 Uhr morgens ist es in unserem Campervan schon wieder so heiß, dass wir ihn fluchtartig verlassen. Aber schnell ist die Lösung gefunden: man nehme zwei gut gefüllte Gläser Rotwein und kippe sie sich hinter die Binde. Bei über 30° Celsius knallt der Alkohol gleich doppelt so hart und wir sind angenehm betrunken, um selbst bei solchen Temperaturen zu schlafen. Als wir uns gefühlt nach mehreren Stunden aus dem Wasser erheben, steht die Sonne am Höhepunkt und treibt das Thermometer auf stolze 45° Celsius. Leider besteht Coral Bay im Prinzip nur aus zwei oder drei Campingplätzen, einem großen und einem kleinen Restaurant und Strand. Daher kann man bei so einer Hitze nur im Wasser überleben. Angi und ich machen uns trotzdem auf Erkundungstour durch den Ort, sind schneller wieder im Van, als man „Scheiße, ist das heiß hier“ sagen kann. Der kurze und sehr heiße Aufenthalt in Coral Bay war schön, aber eben sehr heiß. Dennoch lohnt es sich hier auszusteigen und sich das Örtchen mal anzuschauen. Obwohl wir für die Hauptattraktion von Coral Bay – Tauchen mit Walhaien für AU$ 400 (286 € / CHF 305) – zu geizig sind, genießen wir den feinen Strand von Bill’s Bay in vollen Zügen, bevor es weitergeht nach Exmouth. Auf der Fahrt dorthin kreuzt ein Gigant von Känguru unsere Fahrbahn und nach einer spektakulären Vollbremsung sind wir dann beide komplett wach für den Rest der Fahrt.

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Exmouth (Vlamingh Head Lighthouse)

Exmouth ist eigentlich eine recht große Stadt, zumindest für australische Verhältnisse. Hier leben ungefähr 2.000 Menschen. Aufgrund der Überflutungen im Jahre 2014, ist Exmouth bis heute eine große Baustelle. Überall wird gehämmert, gezimmert und gebohrt. Teilweise bauen die Menschen noch ihre Wohnblöcke wieder auf, teilweise sind es auch Neubauten, um den Tourismus in Exmouth wieder anzukurbeln. Aber die Bauarbeiter sind daher auch die einzigen Menschen, die man tagsüber in Exmouth trifft. Sonst ist die Stadt eine einzige Geisterstadt. Keine Autos fahren über die große Straße, die einmal quer durch die Stadt verläuft und keine Fußgänger laufen an der Promenade entlang. Nur Angi und ich machen und bei knapp 46° Celsius im Schatten auf den Weg zu einem Supermarkt. Natürlich ernten wir komische Blicke, als wir völlig verschwitzt in einem der zwei klimatisierten Supermärkte ankommen. Nur dumme Touristen nehmen einen Fußmarsch von knapp 15 Minuten auf sich bei so einer Hitze. Naja, jetzt können wir wenigstens wieder etwas abhaken auf unserer Liste „Die zehn dümmsten Dinge, die man in Australien tun kann“. Gegen Abend werden die Temperaturen einigermaßen erträglich und so entscheiden wir uns dazu, die nahegelegenen Buchten aufzusuchen und den Tag am Vlamingh Head Leuchtturm ausklingen zu lassen. Die Strände in der Nähe von Exmouth sind zudem bekannt dafür, dass hier die Schildkröten ihre Eier am Strand ablegen und man nach dem Schlüpfen der Baby-Schildkröten eine regelrechte Massenwanderung vom Brutplatz zurück ins Wasser beobachten kann. Leider haben wir aber trotz abendlichem Sitzen und Warten am Strand dieses Mal kein Glück. Naja, dafür begeben wir uns dann zum Leuchtturm und schauen uns den bis dato schönsten Sonnenuntergang unserer Reise an. Vom Leuchtturm aus hat man nämlich einen spektakulären Blick über die vielen Buchten und Strände und kann auf der anderen Seite weit ins Landesinnere schauen. Als die Sonne quasi am anderen Ende der Welt ins Meer plumpst, taucht sie den Himmel in eindrucksvolles Rot. Es scheint wie auf einem Gemälde. Und dieser Anblick entschädigt uns für all die schlaflosen Nächte zuvor und die schier unerträglichen Temperaturen am Tag. Doch als wir verträumt dem Ende diesen Tages entgegenblicken, ahnen wir noch nichts von der spannenden Heimfahrt zurück zum Campingplatz. Es ist nämlich so, dass Kängurus durch die Wärme des Asphalts, die dieser nachts abstrahlt, angezogen werden wie Fliegen. Und darum steht gefühlt jedes Känguru Australiens auf unserem Heimweg. Ich habe wirklich noch nie so viele lebensmüde Tiere gesehen, wie in dieser Nacht. Die Kängurus stehen am Straßenrand und warten quasi nur darauf, dir direkt vors Auto zu springen. Daher tuckern Angi und ich im Schritttempo quer durch die Pampa, um wirklich keines der Viecher zu überfahren. Zum Glück geht alles gut, aber danach gehe ich erstmal wieder duschen – diesmal aber nicht wegen der Hitze.

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Cape Range National Park

Mittlerweile haben Angi und ich verstanden, dass man sich bei den Temperaturen im Wasser aufhalten sollte. Gesagt, getan. Und diesmal wird nicht einfach nur im Wasser rumgehangen, wie wir es sonst so oft tun. Diesmal gehen wir Schnorcheln. Das Ningaloo Reef bietet fantastische Orte fürs Schnorcheln. Unzählige Buchten und Strände haben vom Strand aus direkten Zugang zum Riff und einer ist schöner, als der andere.

Turquoise Bay – Bay Loop, Drift Loop

Da wir noch nicht so oft Schnorcheln waren und die Strömung beim Ningaloo Reef unberechenbar sein kann, entscheiden wir uns erstmal für die Anfängerbucht: Turquoise Bay. In dieser Bucht gibt es zwei verschiedene Schnorchel-Loops, das sind zwei Wege, die einem möglichst viel von diesem Riffabschnitt zeigen. Zuerst beschnorcheln wir den Bay Loop. Dieser ist kleiner und gut geeignet für Anfänger. Das flache Wasser macht es einem einfach zum Riff zu gelangen und hier ist die Strömung auch für unerfahrene Schnorchler ganz einfach zu bewerkstelligen. Und für das erste Mal Schnorcheln bietet sich uns auch eine recht üppige Unterwasserlandschaft. Nachdem wir hier ein bisschen durch die Gegend geschnorchelt sind, machen wir uns auf zum Fortgeschrittenen-Loop, dem Drift Loop. Hier merkt man die Strömung schon deutlicher, aber auch das Riff ist merkbar voller und farbenfroher. Angi und ich schnorcheln einmal den ganzen Loop entlang und sehen unterwegs eine Vielzahl an unterschiedlichen Fischen, Algen, Korallen und sogar ein paar Haie. Die Reef Sharks, also Riffhaie, sind nur bei Nacht Jäger. Am Tag ziehen sie ganz friedlich ihre Bahnen durchs Riff und machen keine Anstalten unerfahrene Touristen zu beißen. Trotzdem habe ich etwas Respekt vor den Dingern. Vor allem, als ein zwei Meter langer Hai nur ungefähr zwei Meter von mir entfernt ist. Aber auch dieser ist nach einer Weile recht unbeeindruckt von mir und schwimmt davon. Nun habe ich und nicht der Hai Blut geleckt. Jetzt will ich zum Profi-Loop.

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Oysters Stacks

Also heißt die nächste Station „Oysters Stacks“. Hier sollte man nur Schnorcheln, wenn die Gezeiten es zulassen, erklärt uns die Frau im Visitor Centre. Also am besten nur wenn Flut herrscht. Denn sonst kann es passieren, dass man zu nah an die Korallen gelangt und diese mit den Flossen zerstört oder sich sogar selbst Verletzungen zuzieht. Hier ist zudem die Strömung so stark, dass ich wirklich gut dagegen anschwimmen muss, um an einem Fleck zu bleiben. Aber hier ist die Pracht der Korallen am Eindrucksvollsten. So viele unterschiedliche Farben und Fische auf einem Haufen: absolut beeindruckend. Kein Wunder, dass man da die Zeit vergisst und auch gut vergessen kann, sich immer wieder einzucremen. Denn der schlimmste Feind des Schnorchlers ist immer noch die Sonne, die einem unentwegt auf den Rücken prallt. Trotzdem haben Angi und ich weder was kaputt gemacht, noch irgendwelche Verletzungen oder Verbrennungen davon getragen. Lediglich unvergessliche Eindrücke und Momente bleiben uns vom Schnorcheln am Ningaloo Reef zurück. Und das ein oder andere trübe Foto. Aber dass die Realität immer noch ein Stückchen besser aussieht als auf den Bildern, daran haben wir uns auch schon gewöhnt.

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