Auf unserem Weg gen Norden erreichen wir das wohl verschlafenste Örtchen in Westaustralien. Wir umrunden eine ganze Lagune und verbringen mehrere Tage auf einem Campingplatz in einer Stadt, die wie ausgestorben scheint. Shark Bay hat Vieles zu bieten, aber von Haien erhaschen wir höchstens einen kurzen Anschein. Dafür sehen wir die Pickel der Erde und Muscheln soweit das Auge reicht.

Shark Bay (World Heritage Drive)

Nachdem wir das Billabong Roadhouse verlassen haben, ziehen wir immer weiter in den Norden und biegen vom North Western Highway links in Richtung Shark Bay ab. Gleich nach der Abzweigung beginnt auch schon der World Heritage Drive, der uns bis nach Denham, der verschlafenen Hauptstadt von Shark Bay bringt. Auf dem Weg dorthin hält der World Heritage Drive ein paar kleine Schmankerl für uns bereit.

Stromatoliten

Als erstes halten wir bei den Stromatoliten. Das sind mehr oder weniger Pickel der Erde, die als kleine Steinformationen über den Meeresspiegel hinausragen. Es sieht echt cool aus, wenn das extrem klare Wasser zwischen diesen Pickeln hin- und her schwappt. Leider werden wir auf unserer Entdeckungstour von Tausenden von Fliegen begleitet und so verbringen wir nicht allzu lange bei den Stromatoliten. Es ist auch sehr schwer gute Fotos zu machen, wenn man ständig damit beschäftigt ist mit den Händen herumzufuchteln wie ein Wahnsinniger.

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Shell Beach

Also weiter zum Shell Beach. Wie der Name schon sagt, liegen hier sehr viele Muscheln am Strand. Im Prinzip besteht der Strand aus Muscheln und das ist voll geil! Man muss sich vorstellen mehrere Millionen Muscheln wurden hier angeschwemmt und bilden nun einen kilometerlangen Strand. Es ist auch nur eine Muschelart, die hier rumliegt – was auch irgendwie komisch ist. Aber jede Muschel sieht der nächsten zum Verwechseln ähnlich und alle sind winzig klein. Aber auch hier habe ich das gleiche Problem: Fliegen. Sie fliegen einem überall hin und mit der Zeit kann man das einfach nicht mehr ertragen. Ich glaube, ich war noch nie so nah an einem Nervenzusammenbruch, wie im Norden von Australien. Diese Viecher sind das Letzte und auch das Wedeln und Fuchteln bringt nur für zwei Sekunden Ruhe. Also wieder zurück in den Van.

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Eagle Bluff

Eagle Bluff heißt die nächste Station auf der Karte. Und hier ist es unglaublich schön. Ein etwas in der Höhe erbauter Uferweg führt uns ein paar Meter an den Klippen entlang und bietet einen beeindruckenden Ausblick. Mit etwas Glück kann man hier sogar Haie, Delfine, Rochen und Schildkröten beobachten und Angi und ich meinen auch, welche gesehen zu haben. Es sind eigentlich nur schwarze Punkte im Wasser, die sich bewegen, aber mit etwas Fantasie ist alles möglich. Außerdem soll mal jemand von dieser Entfernung aus etwas genau identifizieren, das möchte ich sehen. Aber das Beste an Eagle Bluff ist eigentlich, dass es wenige bis keine Fliegen gibt. Wahrscheinlich weil der Wind einem vom Meer her ins Gesicht peitscht. Und Fliegen mögen keinen Wind. Ich mag ihn in diesem Moment sehr, denn er vermacht einem die wenigen kurzen Augenblicke, in denen man mal in Ruhe die Landschaft genießen kann.

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Little Lagoon

Die letzte große Station auf dem World Heritage Drive ist die Little Lagoon. Sie liegt etwas hinter der Stadt Denham. Im Vergleich zur Big Lagoon bietet die Little Lagoon die Möglichkeit sie einmal komplett zu umrunden. Das machen wir dann auch. Angi und ich schnappen uns noch unsere Wasserflaschen und ab geht’s. An den Stränden der Lagoon, auf der auch 4WDs fahren dürfen, ist es sehr angenehm zu laufen. Immer mal wieder kann man seinen Füßen eine Abkühlung im Wasser vom heißen Sand geben und dann wieder eine Weile über den sanften Sand laufen. Bis zu einer Stelle, welche die Lagune mit dem Meer verbindet. Hier muss man knietief durchs Wasser, aber mit Bedacht. Denn dort wo die Lagune von Frischwasser gespeist wird, gibt es die gefährlichen Stonefish (Steinfische). Auf den ersten Blick sehen sie aus wie gewöhnliche Steine im Wasser, doch wenn man sie berührt oder womöglich auf sie drauftritt, kann das sehr unangenehm werden. Sie sondern ein Sekret ab, das wie Feuer brennt und dann ist erstmal Schluss mit laufen. Daher tasten Angi und ich uns Schritt für Schritt von Sandbank zu Sandbank vor, bis wir das andere Ufer erreicht haben. Es ist ein berauschendes Gefühl dem Tod noch mal so von der Schippe gesprungen zu sein. Nach diesem Abenteuer laufen wir ganz entspannt zum Parkplatz zurück und machen uns auf den Weg zu unserem Campingplatz für die nächsten Tage.

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Denham (Seaside Tourist Village)

Als wir in Denham ankommen, sind wir froh mal wieder ein bisschen Zivilisation zu haben – wenn auch nicht viel. Aber es stimmt uns glücklich, dass es doch noch andere Menschen auf diesem Kontinent gibt. Wir fahren an der Promenade entlang bis zum Denham Seaside Tourist Village. Wir haben den Campingplatz schon auf dem Weg ausgesucht, da es der einzige in Denham ist, der WiFi anbietet. Die nette Dame am Empfang erklärt uns, dass es uns billiger kommt, wenn wir drei Nächte anstatt zwei buchen und dann sogar vier Nächte bleiben können. Klingt gut, machen wir. Also vier Nächte in einer Stadt, die größtenteils aus Touristen besteht, wie wir es sind und neben einem Supermarkt und einer Bäckerei nicht viel zu bieten hat. Nachdem wir unseren Compact Gazebo mal wieder aufgebaut haben, genehmigen wir uns erstmal eine Abkühlung im Meer. Man muss dazu sagen, dass wir einen Stellplatz direkt am Strand ergattern konnten und so in zwei Schritten schon am Muschelstrand stehen. Also durchaus akzeptabel. Die Campingküche ist auch nicht weit und das WiFi Signal reicht von der Quelle auch gut 50 cm weit. Also quasi perfekt! Hier machen wir es uns die nächsten Tage gemütlich und freuen uns, dass wir eine Basis haben von der aus wir die Gegend erkunden können, ohne jede Nacht nach einem neuen Schlafplatz suchen zu müssen. Abends treffen wir in der Campingküche immer wieder andere Backpacker und Reisende, mit denen wir uns austauschen. Es sind sehr nette und spannende Gespräche. Viele kommen aus Deutschland, Frankreich oder Italien und sind mit dem Working Holiday Visa in Australien. Aber wir treffen auch andere Menschen. Und nach ein paar gemeinsamen Bieren werden wir auch schon mal in ihre Heimat eingeladen. So machen wir über die kommenden Tage viele Bekanntschaften und auch Freundschaften. Einige von ihnen werden wir sicher wiedersehen in England, Amerika oder wo auch immer. Sobald es uns dorthin verschlägt. Aber als Erstes setzen wir nach vier Nächten und unzähligen Gesprächen unsere Reise in Richtung Norden fort.

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