Von Perth aus machen wir uns noch mal auf den Weg in den Südwesten. Aufgrund der Wetterverhältnisse ist es uns beim ersten Mal nicht möglich gewesen nach Esperance zu kommen, also holen wir das nun nach. Und wie der Zufall so will, liegt auf dem Weg noch ein gigantischer Felsen, der wie eine Welle geformt ist. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Außerdem erwartet uns in Esperance ein Festival, das bis dato noch nie so groß gefeiert wurde, wie dieses Jahr. Und wir sind voll dabei!

Wave Rock

Wie alles in Australien wird auch dieser Fels so sehr beworben, als sei es ein Weltwunder sondergleichen. Okay, es ist ein Fels, der wie eine Welle aussieht. Schon cool. Aber jetzt auch nicht so unglaublich, dass man da zwei Tage verbringen muss, wie es in manchen Broschüren angepriesen wird. Da der Wave Rock bei Hyden auf halber Strecke zwischen Perth und Esperance liegt, halten wir einfach mal an und schauen ihn uns an. Ein bisschen die Beine vertreten nach knapp 5 Stunden Fahrt tut sowieso immer gut. Und tanken und etwas essen müssen wir auch – also ist es beschlossene Sache. Der Parkplatz vor dem Fels lässt schon auf das Weltwunder schließen: überall hängen Schilder, dass wir uns nun am berühmt berüchtigten Wave Rock befinden. Meine Tante meinte vor der Abreise zu uns „Well, it’s basically just a rock!“ und damit hatte sie auch recht. Nach einem 10-minütigen Fußmarsch stehen wir also am Fuße der Welle und blicken nach oben und an ihr entlang. Gar nicht mal so groß, wie ich es erwartet habe, denke ich. Ich will diese Station unserer Reise gar nicht schlecht reden, denn es ist schon cool so eine Formation mitten im Nirgendwo vorzufinden. Vor allem weil man nicht weiß, wieso der Wave Rock wie eine brechende Welle aussieht. Es ist halt so. Angi und ich laufen ein paar Meter entlang, bevor wir entschließen den Rückweg anzutreten. Denn was man in den ersten 10 Metern sieht, sieht man auch weiter hinten: Felsen. Nach einem kurzen Vesper und dem obligatorischen Volltanken, machen wir uns dann weiter auf den Weg in den Süden. Wave Rock war ein kurzes aber witziges Vergnügen. Wenn man auf der Durchreise ist, dann sollte man hier auf jeden Fall halten. Ansonsten ist es „basically just a rock!“.

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Esperance (Festival of the Wind)

Am Abend, nach dem beeindruckenden Wave Rock, kommen wir dann auch an unserer nächsten Station unseres Roadtrips an: Esperance. Die Erwartungen an diesen Ort sind hoch. Sehr hoch. Egal mit welchem Aussie ich davor gesprochen habe, alle meinten, dass Esperance der absolut schönste Platz in Westaustralien sei. Na da bin ich mal gespannt. Wir werden hier einige Zeit verbringen und die Gegend genau anschauen. Außerdem ist da ja noch das Festival. Wir kommen am Montagabend an und bis zum Festival am Wochenende ist noch etwas Zeit. Also schauen wir uns die Stadt und die Strände drumherum an. Und als das Festival of the Wind dann endlich startet sind Angi und ich schon die größten Fans von Esperance. Keiner der Leute mit denen wir uns unterhalten haben, hat zu viel versprochen. Die Stadt und die Gegend um Esperance sind einfach der absolute Hammer! Die Stadt ist vergleichsweise klein, aber hat alles, was man so braucht. Von Supermärkten bis hin zum Kino und natürlich der stadteigenen Brauerei, Lucky Bay Brewing. Und als am Donnerstagabend das Festival beginnt, bekommen wir auch etwas von der Kultur der Stadt und der Umgebung mit. Das Festival beginnt mit einem eindrucksvollen Puppentheater einer Aboriginal Dreamstory (Traumgeschichte). Die Puppen sind lebensgroß bis überdimensional und alle von Hand gefertigt. Allein das ist schon toll zu sehen. Aber die Botschaft und die Geschichte an sich, die erzählt wird, macht das Erlebnis zu etwas ganz speziellem. Man merkt sehr deutlich, dass die Aussies so langsam das aufarbeiten, was sie in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt haben: ihre Ureinwohner. Sie bekommen immer mehr Mitsprache und dürfen endlich ihre Kultur und ihre Sicht der Dinge mit dem Rest der Einwohner Australiens teilen. Natürlich ist das in den Augen vieler zu spät, aber immerhin beginnen sie jetzt damit. Besser als gar nicht. Der erste Höhepunkt ist vorbei, bevor das Festival erst richtig anfängt. Und wir als freiwillige Helfer sind mitten drin. Ab Freitagmittag ist die Stadt voll von Touristen und mehr oder weniger allen Einwohnern. Überall sind kleine Stände aufgebaut, es gibt Kinderprogramm, der neue Skatepark wird eingeweiht und Sandskulpturen am Strand werden errichtet. Die Stadt pulsiert. Abends finden an unterschiedlichen Locations viele abgefahrene Events statt und so findet man sich entweder bei einem Punk-, Hardcore- und Ska-Konzert wieder oder man nimmt Teil an einer Modeschau, bei der Mode aus recycelten Materialien präsentiert wird oder aber man probiert sich beim „Taste of Esperance“ durch die vielen kulinarischen Gerichte, die Gegend so zu bieten hat. Das Festival tut der Stadt gut, erfahren wir von vielen Einwohnern. Und das merkt man. Jeder ist ausgelassen und fröhlich. Man kommt mit unglaublich vielen Menschen in Kontakt und alle laden einen zu sich nach Hause ein oder wollen einem wenigstens einen Drink spendieren. Angi und ich sind nun Teil der Community von Esperance und kennen nach dem ersten Festivaltag praktisch die ganze Stadt. Und wir sind überwältigt. Das Gefühl Teil von etwas zu sein und mitzuhelfen, wo man gerade gebraucht wird, ist ein berauschendes Gefühl. Vor allem am Sonntagabend, dem letzten Festivaltag, ist die Stimmung ausgelassen. Nach dem letzten Event fällt all der Stress der letzten Tage von den Helferinnen und Helfern ab und wir finden uns plötzlich auf einer kleinen Privatparty wieder. Alle tanzen, alle trinken und alle haben Spaß. So habe ich mir Esperance vorgestellt und so habe ich es erlebt. Nachdem wir hier so viele neue Freunde gefunden haben, steht fest: wir kommen wieder! Spätestens zum nächsten Festival of the Wind.

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