Midwest haben wir hinter uns gelassen und steuern nun weiter gen Norden. Die Temperaturen steigen allmählich in grenzwertige Bereiche und mit ihnen werden die Fliegen mehr und mehr. Es ist hart sich zu konzentrieren, denn das Geräusch und die ständige Wedelbewegung unterbrechen jeden Gedankengang. Daher verfahren wir uns auch das ein oder andere Mal, aber nichtsdestotrotz kommen wir immer weiter und erleben die beeindruckende Landschaft Westaustraliens in ihrer vollen Pracht.

Geraldton (Sea Lion Lookout)

Die erste „große“ Stadt seit Perth beherbergt uns für die nächsten Tage. Als erstes schlafen wir auf einem speziell für Campervans ausgelegten Parkplatz mitten in der Stadt. Danach machen wir es uns für eine Nacht auf einem Campingplatz gemütlich. Um ehrlich zu sein gefällt mir die Stadt recht gut. Geraldton hat sich sehr viel Mühe gemacht bei der Gestaltung der Promenade. Hier finden sich topmoderne Spielplätze, saubere WCs und ein schöner Uferweg entlang dem Strand. In der Nähe vom Hafen hat die Stadt sogar einen Seelöwen Aussichtspunkt erbaut. Denn vor der Küste kann man Seelöwen beobachten, wie sie auf den Steinen in der Sonne rumhängen und ein bisschen ausspannen. Umgeben von Seemöwen können auch wir einen Seelöwen erblicken. Er liegt auf einem großen Stein und schläft. Das ich meiner Meinung nach sowieso die einzige Tätigkeit, die Seelöwen neben dem Jagen noch machen. Aber es scheint ihm zu gefallen, das ist die Hauptsache. Wir verbringen noch ein bisschen Zeit mit dem Beobachten des schlafenden Seelöwen, ehe wir dann mal frühstücken. Weil uns Geraldton so gefällt, entschließen wir uns noch eine Nacht länger zu bleiben. Außerdem haben wir uns gerade einen Pavillon gekauft und müssen austesten, ob der auch hält, was er verspricht. Der Compact Gazebo von OZTrail hat eine Größe von 2,4 m x 2,4 m. Also gerade groß genug unseren überdimensionalen Campingtisch dort unter zu bringen. Beim ersten Aufstellen geht eine gute Stunde ins Land, doch dann steht das Ding. Mehr schlecht als recht, aber es steht. Natürlich haben wir keinen Hammer gekauft, denn die Heringe kann man auch mit meinen Birkenstocks in den Boden hämmern. Und so verbringe ich ein paar lange Minuten damit, wie ein Gestörter auf die Heringe einzuprügeln – leider ohne Erfolg. Erklärtes Ziel: Hammer kaufen! Der Campingplatz hat zum Glück einen Pool, in dem ich mich von den Strapazen erholen kann und so wandern Angi und ich zwischen Gazebo und Pool hin und her, bis die Sonne untergeht. Geraldton, es war uns eine Ehre – du warst so gut zu uns.

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Kalbarri National Park

Die nächste Station auf dem Weg nach oben ist der Kalbarri National Park. Um ehrlich zu sein haben wir uns im Voraus gar nicht so recht über diesen Nationalpark informiert. Wir sind einfach mal hingefahren. Aber das war vielleicht auch das Beste. Kurz bevor man überhaupt in den Nationalpark fährt, kommt man an den Vorläufern des Parks vorbei: den Coastal Cliffs. Das sind beeindruckende Klippen, gegen die die raue See prallt und dann komplett in weiß gehüllt wieder raus aufs Meer treibt. Hier bieten sich Angi und mir atemberaubende Szenen. Eine Monsterwelle nach der anderen wirft sich gegen die Steinwand und wird daran zerborsten. Über den Lauf der Jahre hat sich an einer Stelle eine natürliche Brücke gebildet. Durch das ständige Meerwasser, das daran reibt und sich langsam aber sicher durch den Stein frisst, kann man nun einen Durchgang oder eine Art Fenster erkennen. Die „Natural Bridge“ ist noch nicht ganz fertig, wenn man so sagen darf. Es braucht wohl noch ein paar Jahre, bis wirklich nur noch die beiden Endstücke stehen und die Brücke tragen. Aber es ist jetzt schon ein toller Anblick. Mit diesem Gefühl machen wir uns auf nach Kalbarri, der Stadt am Anfang des Nationalparks und gleichzeitiger Namensgeber dafür. Hier schlendern wir ins Visitor Centre und bekommen gesagt, dass man zwar ganz unüblich den Nationalpark ohne Eintritt betreten kann, aber aufgrund der Zyklone vor ein paar Wochen, weite Teile des Parks abgesperrt und nicht zu besichtigen sind. Das schmälert unsere Vorfreude zwar ein bisschen, ändert aber nichts daran, dass wir die wenigen offenen Gebiete dennoch erkunden. Leider kann der Nationalpark wohl nicht mit seiner typischen Schönheit strahlen, da der sonst so tolle Fluss, der den Park durchfließt, Unmengen an Dreck und Wasser befördert. So starren wir ein paar Minuten auf die braune Brühe, die sich ihren Weg durch die vom Sturm zerstörte Gegend bahnt und kämpfen unterdessen gegen eine Horde von Fliegen, die sich in jede Körperöffnung zwängen, die sie finden können. Deshalb machen wir uns dann schnell wieder auf den Weg zu unserem Van und treten die Flucht vor den Fliegen an. Mit Sicherheit hat der Kalbarri National Park sonst mehr zu bieten – diesmal ist das Glück nicht auf unserer Seite.

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Billabong Roadhouse

Eigentlich ist der nächste Stop keine Besonderheit und andererseits dann doch. Auf halber Strecke zwischen dem Kalbarri National Park und Shark Bay liegt das wohl berühmteste Roadhouse Australiens: das Billabong Roadhouse. Ich hab absolut keine Ahnung wieso es so berühmt ist, aber alles was in Australien Rang und Namen hat, war schon mal hier. Dabei ist es nicht wirklich anders, als die zahlreichen anderen Roadhouses auf dem Weg in den Norden. Ein Roadhouse ist wie eine Raststätte und man kann eigentlich alles kaufen, was man für einen Roadtrip so braucht. Von Fliegennetzen für den Kopf über Getränke und Essen bis zum Benzin gibt es alles. Eine Besonderheit hat das Billabong Roadhouse dann doch: man kann hier kostenlos eine Nacht übernachten. Gegen ein Pfand von AU$ 20 (14 € / CHF 15) bekommt man sogar einen Schlüssel für die Truckerdusche mit heißem Wasser. Innen zieren hunderte Fotos von glücklichen Reisenden eine komplette Wand und auch die Angestellten sind immer gut gelaunt. Man kann sich mit allen über irgendetwas unterhalten und lernt Neues dazu. Das Billabong Roadhouse hat uns gut aufgenommen, als wir bei 42° Celsius im Schatten kaum noch fahren konnten und auch nicht mehr wollten. Nach einem eiskalten Getränk und den kühlen Brisen der Klimaanlage geht’s uns wieder gut und wir können in Ruhe unseren Stellplatz beziehen. In der Dämmerung. Sobald die Fliegen weg sind. Aber dann muss man sich beeilen. Denn man hat nur ein kurzes Zeitfenster zwischen dem Ende der Fliegen- und dem Beginn der Moskitozeit. Angi und ich haben diese Zeit des Tages liebevoll „Quality Time“ genannt. Jedenfalls werden wir beim Aufbau des Pavillons immer schneller und können so sogar noch etwas von der Quality Time genießen. Als die Sonne so langsam am Horizont verschwindet und wir mit gefüllten Mägen auf unseren Campingstühlen sitzen, geht wiedermal ein aufregender und gleichzeitig anstrengender Tag zu Ende. Was uns der Roadtrip noch so alles bescheren wird, können wir nur erahnen. Aber eins steht fest: wir freuen uns drauf.

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