ROADTRIP DURCH WESTAUSTRALIEN TEIL 3: MIDWEST (BEITRAG)

Nach dem Süden von Westaustralien, verschlägt es uns in den Norden. Hier ist die Landschaft zwar nicht ganz so üppig, aber dafür reichen die Temperaturen wieder über 30° Celsius. So wie man es von Australien eigentlich gewohnt ist. Doch mit der Hitze kommt auch ein eher unwillkommener Begleiter: die Buschfliege. Sie hat die nervige Angewohnheit in Nase, Ohren, Augen und Mund zu fliegen. Da werden wir sicher noch unseren Spaß haben, mit der Nervensäge.

Lancelin (Sandboarding)

Auf dem Weg nach Norden machen wir erstmal Halt in Lancelin. Das Dorf – für australische Verhältnisse ist es eine Stadt – ist umgeben von Sand. Ab und zu sticht mal eine grüne Buschpflanze durch den Sand. Aber ansonsten ist das Dorf die einzige Oase zwischen den Dünen. Aber genau deswegen sind wir ja auch hier. Wegen den verkümmerten kleinen Pflanzen zieht es niemanden nach Lancelin. Es ist der Sand, der wie ein Touristenmagnet wirkt. Und wir, die auch noch Touristen in diesem tollen Land sind, können dem Magneten ebenso wenig widerstehen. Aber bevor es in den Sand geht, halten wir noch schnell bei einer der vielen Bars/Supermärkte/Sandboard-Verleihs an und mieten uns zwei Boards. Eins ist im Prinzip ein Snowboard, nur in klein und aus Holz. Und das andere ist eine Art Schlitten, aber ohne Kufen. Ausgestattet mit unseren Boards machen sich Angi und ich dann auf zur Düne. Der heutige Tag steht ganz unter dem Motto: Sandboarden kann ich! Schon als wir uns dem Parkplatz nähern, dämmert mir, worauf wir uns da eingelassen haben: riesige Dünen erheben sich vom Rest des Sands vor uns und bilden eine beeindruckend bergige Landschaft. Natürlich nicht zu vergleichen mit der Schweiz, wie Angi gleich feststellt, aber dennoch recht anschaulich. Wir parken Nobody direkt am Fuße einer dieser Kolosse. Danach schleppen wir die Boards auf eine akzeptable Höhe und schauen den anderen Besuchern erstmal zu, wie sie sich beim Sandboarden anstellen. Nachdem keiner der Beteiligten eine wirklich gute Figur macht, bezwingen wir auch noch die letzten Meter der Düne, ehe wir uns ebenfalls ins Geschehen stürzen. Es fühlt sich ein bisschen vertraut, aber gleichzeitig auch sehr komisch an, auf einem Board zu stehen und eine Düne runterzubrettern. Skateboarden und Snowboarden hab ich auch schon gemacht und die beiden Dinge beherrsche ich einigermaßen, aber Sandboarding ist wieder etwas ganz Neues. Das Brett muss vorher mit einem Wachsstück eingewachst werden und dann rutscht es auf dem Sand wenigstens ein bisschen besser als davor. Ansonsten käme man gar nicht vom Fleck. Mit Hilfe des Wachs schaffe ich dann doch ein paar Meter, bevor es mich in den Sand haut. Natürlich mit der Fresse zuerst – wie es sich gehört. Aber da sich Angi auch nicht besser anstellt, bin ich beruhigt. Nach einer Weile tauschen wir und ich darf auch mal auf dem schlittenähnlichen Gefährt sitzen. Dieses Board braucht noch mehr Wachs, da es auch eine größere Auflagefläche besitzt. Aber hier kann man sich immerhin noch zusätzlich mit den Händen abstoßen, um etwas mehr Fahrt aufzunehmen. So düsen Angi und ich den Nachmittag lang eine Düne nach der anderen, mehr oder weniger sicher, hinunter. Für eine Leihgebühr von AU$ 20 (14 € / CHF 15) können wir uns drei Stunden beim Sandboarding versuchen. Mit ausreichend Sand in Augen, Mund, Nase und Ohren machen wir uns dann wieder auf den Weg zu Nobody und dann zurück zum Verleih. Was uns davon in Erinnerung bleiben wird: Sand. Überall. Und komischerweise fühlt es sich gut an. Es macht einfach Spaß eine Düne runterzuschlittern und anschließend wieder raufzuklettern.  

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Nambung National Park (The Pinnacles)

Wir bleiben in der kargen Landschaft Midwest und machen uns auf den Weg zu einem Nationalpark, der für etwas berühmt ist, von dem Forscher bis heute nicht genau wissen, wieso es so ist, wie es ist. Die Rede ist von den Pinnacles im Nambung National Park. Vor mehreren Millionen Jahren haben sich hier gewisse Steinformationen gebildet, die nun über den Sand ragen und aussehen als wären sie dort von jemandem abgestellt worden. Im Pinnacles Discovery Centre, neben dem Parkplatz, finden sich alle Theorien zur Entstehung dieser merkwürdigen Skulpturen. Die einen sagen, es sind abgestorbene Bäume, die sich mit der Zeit zu Steinen verwandelt haben. Die anderen sind sich sicher, dass es eine andere tieferliegende Art von Gestein ist, das mit der Zeit an die Oberfläche gelangt. Jede der Theorien hat seine Reize und jede kann zahlreiche Beweise vorliegen. Wir machen uns unser eigenes Bild von den Dingern und befahren die 12 km lange Schleife quer durch die Pinnacles. Hier wird man auf einem Sandweg, begrenzt von kleinen unbedeutenden Steinen, entlang der großen herausragenden Steinen geleitet. Mit 20 km/h bahnen wir uns unseren Weg von einer Haltebucht zur nächsten. An jeder Bucht kann man aussteigen und die Pinnacles zu Fuß begutachten. Es ist beeindruckend neben einem dieser Dinger zu stehen und nicht zu wissen, woher sie genau stammen. Natürlich sind diese Steine auch ein beliebtes Fotomotiv. Immer wieder sehe ich andere Touristen, wie sie hinter einem der Steine hervorschauen, auf einem draufsitzen oder sich dagegenstellen als würden sie versuchen ihn wegzudrücken. Ein bisschen komme ich mir vor wie in Pisa beim schiefen Turm. Naja, aber man ist wahrscheinlich nur einmal im Leben an diesem Ort und dann macht man halt jeden Scheiß, um später jedem das Bild zeigen zu können – ich hab auch eins. Bei einer der größeren Haltebuchten steigen wir aus und erkunden die Gegend zu Fuß. Die Pinnacles ragen aus dem Boden, als wären es Pickel. So zahlreich und so willkürlich stehen sie in der Gegend rum. Vom Aussichtspunkt neben der Haltebucht kann man fast über das ganze Areal blicken. Millionen dieser Pickel müssen hier stehen – von oben sieht es aus wie ein Meer von Steinen. Absolut irre! Und nachdem wir ein paar Bilder von uns, von den Steinen, von uns mit den Steinen und von anderen mit den Steinen geknipst haben, geht’s weiter auf dem Rundweg durch die Wüste von Nambung. Hier ist die Temperatur etwas höher als in Perth und die Anzahl der Fliegen steigt. Noch sind sie zu ertragen, mit einer Wedelbewegung hat man für knapp zwei Minuten Ruhe. Aber sie sind nur die erste Vorhut von dem, was uns noch blüht. Als wir den Rundweg beendet haben, wird es Zeit für eine kleine Vesperpause. Mittlerweile sind Angi und ich so gut in der Sandwich-Zubereitung, dass wir in wenigen Momenten ein äußerst leckeres Sandwich in den Händen halten. Und das gönnen wir uns nach so einer Tour auch richtig hart!

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