Mit unserem Van Nobody fahren wir von Perth in den Südwesten von Australien. Neben Delfinen und Kängurus, sind auch Spinnen und andere Insekten unsere stetigen Begleiter. Aber beim Anblick einer so beeindruckenden Landschaft, sind die Viecher, die überall umher kreuchen und fleuchen, schnell wieder vergessen. Dann lassen wir uns lieber am Surfers Point den Wind um die Ohren wehen und genießen die Ruhe vor dem Sturm. Der zweite Teil unseres Roadtrips steht nämlich ganz unter dem Begriff „Genuss“.

Injidup Beach (Natural Spa)

Ein wahres Highlight auf unserem Weg durch Australia’s South West, ist der Strand von Injidup, kurz unter Yallingup. Oder genauer gesagt, das Natural Spa von Injidup. Hier an diesem Strand liegen und stehen riesige Steine, die eine Art Swimming Pool in ihrer Mitte bilden. Diese Steinpools werden von Meerwasser gespeist und an den Stellen, an denen das Meerwasser über die Steine gelangt, bilden sich kleine Wasserfälle. Ein traumhafter Anblick. Und ein tolles Badevergnügen. Das Wasser ist zwar nicht besonders tief, aber dadurch, dass immer wieder Frischwasser hinzukommt, ist es eine gelungene Abkühlung, bei den sonst so heißen 38° Celsius im Schatten. Auf den großen Steinen legen Angi und ich uns auch kurz in die Sonne. Aber nicht zu lange, denn in Australien ist aufgrund des Ozonlochs die Chance sich zu verbrennen, um ein vielfaches höher als im Rest der Welt. Also lieber wieder zurück in den Schatten der Steine. Wir beobachten noch ein paar andere Touristen, die sich ihren Weg vom Parkplatz runter zum Natural Spa bahnen und dann versuchen ihre GoPro-Kameras, Smartphones und sonstige Elektronikartikel so nah wie möglich an die Wasserfälle zu bringen, aber nicht so nah, dass sie womöglich nass werden. Ein paar Teenies haben sich auch unters Volk gemischt und posen auf jedem Stein und in jeder nur erdenklichen Position, um das perfekte Foto für ihren Instagram-Account zu schießen. Auch ein wirklich interessanter und gleichzeitig sehr amüsanter Anblick. Als die Hitze zu groß wird, müssen wir unseren Blick aber dennoch abwenden und treten den Fußmarsch zurück zum Parkplatz an, an dem Nobody schon sehnsüchtig in der prallen Sonne auf uns wartet.
Hier mein Selfie:

DCIM100GOPRO

Margaret River (Giants Cave)

Für die Margaret River Gegend gibt es eigentlich nur ein Wort: Wein. Unzählige Weingüter reihen sich hier aneinander und werben damit, den besten Wein der Region, Australiens oder sogar der ganzen Welt zu produzieren. Viele der Winzer waren sicherlich noch nie in Europa und haben von den Weingütern in Frankreich oder Spanien nur in Prospekten etwas gehört. Aber egal. Das ist ein anderes Thema. Wir genießen jedenfalls die Fahrt durch die Region und gönnen uns auch das ein oder andere Glas Wein bei einer der vielen kostenlosen Weinverkostungen. Wie schon im Swan Valley, kann man auch hier alle 50 Meter wieder aus dem Van hüpfen und verkosten. Aber nicht nur Wein. Neben vielen Käsereien und Schokoladenfabriken gibt es auch eher untypische Angebote, wie beispielsweise Margaret River Nuts & Cereal, bei der man Gaby’s Muesli und viele Arten von Keksen und anderen Leckereien probieren kann. Uns schmeckt’s. Und man spart sich so auch gleich ein Mittagessen. Also voll okay.
In der Gegend gibt es aber nicht nur über der Erde etwas zu sehen. Margaret River ist auch bekannt für ihre viele Höhlen, die es um die Stadt herum zu besichtigen gibt. Die Lake Cave, in der ein unterirdischer See verborgen liegt, die Jewel Cave, die mit ihren kristallartigen Tropfsteinen lockt und die Giants Cave, die ihrem Namen alle Ehre macht, da sie wirklich gigantisch ist, sind wohl die berühmtesten Höhlen der Region. Wir entscheiden uns für die Giants Cave und werden nicht enttäuscht. An der Kasse drückt man uns gegen einen Eintrittspreis von AU$ 18 (12,80 € / CHF 13,70) pro Person einen Helm mit Helmleuchte und eine Taschenlampe in die Hand. Hier gibt es keine Führungen, die Höhle ist zum Erkunden auf eigene Faust ausgelegt. Sehr cool. Angi und ich können uns also so viel Zeit lassen, wie wir wollen. Also ab in die Höhle. Am Anfang steigen wir erst einmal gute 68 Meter in die Tiefe, wobei die Dunkelheit und Kälte mit jedem Schritt zunimmt. Nach mehreren Klettereinheiten über Tropfsteine und sonstige Felsen und einer Abseilpassage sehen wir nach ca. eineinhalb Stunden das Tageslicht wieder. Für mich bleibt nur ein Eindruck zurück: absoluter Wahnsinn!

dsc03023

Hamelin Bay (Adlerrochen)

Diese Bucht ist für eine Sache ganz bekannt und wir haben das Glück, sie sehen zu können: ein Horde von Adlerrochen, die langsam am Strand auf und ab treiben. Diese riesigen Dinger schwimmen gerade mal ein paar Meter von dir entfernt im Wasser rum, und wenn man Pech hat, wird man beim Plantschen tückisch von hinten von ihnen überrascht. Eigentlich tun Adlerrochen einem nichts, aber die großen Tiere haben einen Stachel, ähnlich dem Stachelrochen. Und den wissen sie auch einzusetzen. Daher bleibe ich lieber so nah am Strand, dass ich mit einem Sprung wieder auf sicherem Sand stehen könnte – sofern es heikel wird. Uns bietet sich an einem Nachmittag in Hamelin Bay ein beeindruckender Anblick: im Wasser tummeln sich mehrere Adlerrochen und freuen sich über das Futter eines Fischers aus dem Dorf und über dem Wasser kreist eine wildgewordene Horde Seemöwen umher, die natürlich auch etwas von dem Fisch haben wollen. So werden Angi und ich Zeuge eines Kleinkriegs, bei dem immer wieder eine tapfere Möwe für einen Augenblick ins Wasser abtaucht und sich mit dem Adlerrochen anlegt. Natürlich zur Erheiterung der Menschenmassen, die den Strand säumen. Nachdem der Fisch zerlegt und die Adlerrochen als klare Sieger hervorgegangen sind, packen wir unsere sieben Sachen und machen uns auf den Weg zu unserer letzten Station in Australia’s South West.

DCIM100GOPRO

Cape Leeuwin Leuchtturm (Ende des „Cape to Cape Tracks“)

So schön unser Cape to Cape Track auch war, so schnell ist er auch wieder vorbei. Aber dafür können wir sagen, dass man einiges zwischen den beiden Küsten sehen kann. Der Cape Leeuwin Leuchtturm in der Nähe von Augusta ist aber nicht nur das Ende unseres Tracks, er markiert gleichzeitig auch den Punkt, an dem sich der indische und südliche Ozean treffen. Und wo zwei Gewalten aufeinanderprallen, ist Hilfsmittel für Menschen nicht weit. Deshalb hat man sich 1895 dazu entschlossen am südwestlichsten Punkt Australiens, den höchsten Leuchtturm auf dem australischen Festland hinzustellen. Der kann sich sehen lassen. Sogar von einer ziemlichen Entfernung, ragt der Turm über die hügelige Landschaft drumherum. Angi hat in ihrer weisen Voraussicht mal wieder recherchiert und festgestellt, dass der Eintritt stolze AU$ 20 (14 € / CHF 15) kostet. Da kommen in uns die geizigen Europäer raus, denn AU$ 20 zu zahlen, um einen Turm zu sehen und ihn dann nicht mal betreten zu können, sind uns dann doch zu viel. Aber auch von einer Distanz ist der Leuchtturm sehr schön und wir lassen unseren ganz persönlichen Cape to Cape Track bei einer tollen Lichtstimmung noch einmal Revue passieren. Etwas vom Leuchtturm entfernt hat man die Möglichkeit, das „sagenhafte, historische und definitiv sehenswerte Wasserrad“ zu begutachten, das den Leuchtturmwärtern früher als Frischwasserzufuhr diente. Wie alles in Australien ist für Europäer daran nichts historisch und wie man auf ein altes, zerfallenes Rad so stolz sein kann, wundert mich immer noch. Naja, die Australier sind eben gut im Übertreiben, daran haben wir uns schon gewöhnt. Außerdem wird das sicher nicht das letzte Mal bleiben.

dsc03147