Irgendwann ist dann auch mal die Zeit gekommen, das gemachte Nest zu verlassen und weiterzuziehen. Die Zeit in Perth war schön. Sehr schön sogar. Und meine Tante hat uns den Aufenthalt mehr als angenehm gemacht. Aber zu lange wollen wir ihr dann auch nicht auf die Nerven fallen und vor allem wartet noch die ganze Westküste Australiens darauf, von uns entdeckt zu werden. Aufgrund der abartig hohen Temperaturen, die zu dieser Jahreszeit im Norden herrschen, beschließen Angi und ich – in Rücksprache mit meiner Tante – erstmal in den Süden zu fahren. Dort herrscht ein Klima, das mit dem von Südfrankreich zu vergleichen ist, daher freuen wir uns auch schon auf die vielen Weingüter in der Gegend um Margaret River. Aber auf dem Weg dorthin gibt’s noch viele weitere Dinge zu sehen und bestaunen. Also packen wir unseren Van Nobody, füllen die Wasserreserven auf und starten unseren Roadtrip entlang der Küste.

Bunbury (Dolphin Discovery Centre)

Unseren ersten Stopp legen wir in Bunbury ein. Eine der größten Städte auf dem Weg in den Süden, aber immer noch so klein, dass man gut und gerne auch daran vorbeifahren könnte, ohne Kenntnis davon zu nehmen. Die Stadt ist wirklich ganz schön. Vor allem bei Sonnenuntergang, wenn die Sonne den Himmel in ein beeindruckendes Rot taucht. Dann kommt der volle Charme von Bunbury zur Geltung – am besten vom Marlston Hill Lookout in der Mitte der Stadt zu betrachten. Aber das eigentliche Highlight des Dorfs ist das Dolphin Discovery Centre. Bunbury hat in den vergangenen Jahren viel Zeit und Energie darin investiert ein Informationszentrum rund um das Thema Delfine zu errichten. Darin findet man neben einem lebensgroßen Delfin-Skelett über ein Aquarium mit allerlei Meeresbewohnern bis hin zu zahlreichen Angeboten für die wohl größte Touristenattraktion des Zentrums: Schwimmen mit wilden Delfinen, so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Am Strand daneben passiert aber ein ganz anderes Geschehen. Hier werden die Delfine mehrmals am Tag von den Mitarbeitern und vielen freiwilligen Helfern gefüttert. Das bedeutet: bis zu fünf Delfine schwimmen gerade mal einen Meter von meinen Füßen entfernt durchs Wasser. So nah bin ich den wilden Säugetieren noch nie gekommen. Eine Horde von Menschen versammeln sich zu den Fütterungszeiten am Strand, um den Spektakel beizuwohnen. Und Angi und ich waren zwei davon. Es ist schön zu sehen, dass es Delfine in freier Wildbahn sind und nicht etwa eingesperrte Tiere in einem der großen Sea Life Centre. Denn so schnell sie angeschwommen sind, so schnell machen sie sich dann auch wieder auf den Weg ins offene Meer. Für mich hat sich der Anblick auf jeden Fall gelohnt und fürs Zusehen am Strand muss man nicht mal etwas ausgeben. Lediglich die Fahrten mit dem Boot und das Schwimmen mit den Tieren kostet Geld – dann aber auch richtig. Nach zwei morgendlichen Fütterungen, machen wir uns weiter auf den Weg ins Ungewisse.

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Busselton (Längster Holzsteg der südlichen Hemisphäre)

Den nächsten Halt machen wir in einer Stadt, die noch kleiner ist als Bunbury. Nur zur Information. Busselton heißt der Ort, der aber mit dem längsten Holzsteg der südlichen Hemisphäre lockt. Ganz nach dem Motto: “Wer hat den Längsten?”, hat sich Busselton wahrscheinlich gedacht “Komm, bauen wir mal einen 1,8 km langen Holzsteg. Der wird sich bestimmt bezahlt machen!”. Und ja, das hat er sich auch. Dieser Steg zieht das ganze Jahr über mehrere Millionen Besucher an. Und viele von diesen Touristen treten dann natürlich auch in eine der bekannten Touristenfallen. So kann man beispielsweise mit einem Taucherhelm über dem Kopf ganze fünf Minuten am Meeresboden entlang watscheln und sich den Steg von unten anschauen. Schlappe AU$ 165 (119 € / CHF 127) kostet das Vergnügen, hält aber garantiert “ein Leben lang”. Wir schauen uns den Steg lieber von oben an oder gehen neben dem Holzkoloss noch ein bisschen Schnorcheln. Das ist auch sehr schön und vor allem etwas billiger. Die Schnorchelausrüstung im nächstgelegenen Tauchladen kostet mich nämlich nur AU$ 20 (14 € / CHF 15). Was auch sehr süß ist, dass auf dem Steg ein kleiner Zug fährt, der die Menschenmassen vom Festland bis ans Ende des Stegs (zum Tauchgang) bringt. Kurz nach Sonnenuntergang wollen wir uns aber noch etwas bewegen und laufen daher unser Sach. Bei Nacht bekommt der Steg noch mal eine ganz andere Anmutung und ich habe sogar etwas Respekt, als nach ca. 1 km das Geländer plötzlich aufhört. Die letzten Meter ist man wohl auf sich alleine gestellt und läuft auf dem spärlich beleuchteten Steg tief in die Dunkelheit hinein. Nachdem wir uns noch mit ein paar anderen Backpackern unterhalten haben, die vom Steg aus ihr Glück beim Angeln versuchen, geht auch dieser tolle Tag für uns zu Ende und wir machen es uns in Nobody’s Bauch gemütlich.

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Eagle Bay (Myalup Beach)

Und wieder sehen wir einen Strand auf unserer Reise. Und wieder ist er wunderschön. Bei so viele Stränden, die wir nun schon gesehen haben, fällt es schwer jeden einzelnen aufs Neue zu erleben und vor allem daran nicht gleich rumzunörgeln. Aber Myalup Beach in der Nähe von Eagle Bay hat nun mal nichts zum Aussetzen. Kristallklares Wasser, schneeweißer Sand und ausreichend Schatten, machen es uns extrem schwer, daran keinen Gefallen zu finden. Dieser Strand ist bis jetzt der wohl schönste. Daran ist nichts zu rütteln. Als wir ankommen, halten wir erstmal noch einen Schwatz mit einem älteren deutschen Ehepaar, das jedes Jahr hier runterkommt, seit die Tochter in Australien arbeitet und lebt. Die beiden finden den Strand auch am schönsten. Und sie waren schon an vielen Stränden. Also wenn sie es nicht wissen, dann wohl niemand. Nachdem wir die gesamte Lebensgeschichte von Erna und Rudolf inklusive ihrer sämtlichen Reisen mitbekommen haben, richten wir uns häuslich ein. Die Campingstühle werden aufgestellt, die Sandwiches ausgepackt und die Cookies bereitgelegt. Nach einer einstündigen Fahrt bei knapp 40° Celsius, ist man ganz schön hungrig und freut sich auf einen kleinen Snack. Ich haue das Sandwich weg und creme mich ein, dass ich möglichst schnell in dieses kristallklare Wasser komme. Dort angekommen, könnte ich eigentlich den ganzen Tag in diesem kühlen Nass verbringen. Links und rechts von uns üben sich ein paar Touristen im Stand Up Paddleboarding, was für allgemeine Belustigung sorgt und sonst hängen nur noch ein paar andere Gestalten im Wasser, die der Hitze entfliehen möchten. Mit uns zweien, Erna und Rudolf, sind wir ungefähr 20 Leute am Strand. Für einen knapp 1,8 km langen Strand, ist das nichts. Also genießen wir unseren Nachmittagsbadegang quasi alleine. Hier komme ich wieder hin. Versprochen!

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Cape Naturaliste Leuchtturm (Anfang des “Cape to Cape Tracks”)

Als Nächstes stellen wir unseren Van kurz vor dem Leuchtturm am Cape Naturaliste ab. Dieser kleine Leuchtturm mit einer Höhe von 123 Metern, wurde komplett aus Kalkstein der nahegelegenen Bucht Bunker Bay gebaut. Komplett in Weiß macht er schon was her und bezeichnet gleichzeitig den Anfang des Cape to Cape Tracks. Dieser Wanderweg beginnt an diesem Punkt und endet am Cape Leeuwin im Süden. Wir machen uns vom Parkplatz auf den Weg zum Leuchtturm, vorbei am “Visitor Centre” und rein in die von Schlangen verseuchte Gegend. Große Schilder am Eingang zum Leeuwin-Naturaliste-Nationalpark machen auf die Gefahr aufmerksam. An den Hinweis “Betreten auf eigene Gefahr”, muss man sich in Australien gewöhnen, wenn man die schönen Plätze nicht verpassen will. Also Augen zu und durch. Wenn man erstmal oben am Leuchtturm steht, dann hat sich das Risiko schon gelohnt. Es bietet sich mir ein gigantischer Ausblick auf den indischen Ozean. Unendliche Weite Wasser und der Horizont scheint so fern wie nie zuvor. Leider kommen wir am Leuchtturm erst am Nachmittag an, weshalb man ihn nicht mehr betreten kann. Allerdings ist der Blick vom Fuße des Koloss schon ausreichend und wir genießen die letzten Sonnenstrahlen bei einer kühlen Meeresbrise, die uns um die Ohren weht. Von hier aus starten wir also unseren eigenen “Cape to Cape Track”. Ich bin sehr gespannt was er noch alles so zu bieten hat und freue mich auf die kommende Zeit.

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