KAFFEE UND KUNST IN DEN STRASSEN VON PERTH (BEITRAG)

Es sind angenehme 36 Grad. Der Fremantle Doctor, wie der Wind hier liebevoll genannt wird, fegt gerade durch die Stadt. Wir geniessen die frische Brise, die meistens genau zum Mittagessen auftaucht. Sie macht unseren Stadtspaziergang heute, trotz der Hitze, recht erträglich. Nichts desto trotz kann ein Eis ja nicht schaden. Nur zur Sicherheit, falls es uns doch noch zu heiß werden sollte. Oder vielleicht auch nur, weil es einfach cool ist, im Januar Eis zu essen. Ach, was rede ich da, eigentlich brauchen wir ja gar keinen Grund. Eis geht schließlich immer.

ELIZABETH QUAY

Nachdem Pam und ich zunächst etwa fünf verschiedene Sorten kostenlos probiert haben, entscheiden wir uns schlussendlich für Ginger Beer, Cookie Cream und Schokoladeneis mit Tim Tam Stückchen drin. Tim Tam ist sozusagen Australiens Version von Kägi fret oder Rittersport – es kann sich also jeder vorstellen, wie ausgesprochen lecker es ist. Die drei Kugeln Glückseligkeit kosten uns AU$ 10. Nicht ganz günstig also, aber 7 € bzw. CHF 7.50 gebe ich jederzeit gerne für Glacé aus.
Wir schnappen also unser Eis und setzen uns kurz einen Moment hin, um die Aussicht auf den Swan River zu geniessen. Aber wir sind zunächst anderweitig beschäftigt, denn das Eis schmilzt schneller, als wir es essen können. Was für eine Sauerei. Also nächste Station: Toilette. Und dann können wir uns endlich an der Schönheit der Szenerie erfreuen. Wir befinden uns gerade am Elizabeth Quay, was übrigens Elizabeth „Key“ ausgesprochen wird, aber keine Ahnung wieso das so ist – der Aussie Slang eben. Diese Promenade wurde erst von einem Jahr komplett erneuert. Jetzt gibt es hier coole Bars, wie z.B. die Embargo Bar, eine sogenannte Pop-Up-Bar, die aus Schiffscontainern besteht, unzählige Cafés und Restaurants, fantastische Spielplätze, an denen jedes Kind (oder jeder Erwachsene) Freude findet und eben eine tolle Eisdiele: Gusto Gelato.

embargo-bar

Wir haben von hier aus auch gute Sicht auf den Bell Tower, eine der bekanntesten und gleichzeitig wohl langweiligsten Sehenswürdigkeiten in Perth. Kein Aussie zahlt ein zweites Mal für eine Aussichtsplattform, von der man etwa in den vierten Stock des Wolkenkratzers nebenan schauen kann. Uns wurde daher von den Einheimischen empfohlen, die AU$ 18 (12,70 € / CHF 13.60) lieber in etwas anderes zu investieren. Und somit haben wir die 18 Glocken dieses Mal ausgelassen. Und uns dafür lieber 18 Tim Tam’s gekauft.

FUSSGÄNGERZONE

Neben dem Essen, ist viel trinken in Australien besonders wichtig und da man hier in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken darf, entscheiden wir uns für Tee. Soll ja bekanntlich gesund sein. Der Teeladen T2 befindet sich in der Fußgängerzone, in der Hay Street. Die komplette Fußgängerzone umfasst die beiden Parallelstraßen Hay Street und Murray Street zwischen Barrack Street und William Street.
Vom Elizabeth Quay sind das etwa fünf Gehminuten. Und dann ist man auch schon quasi einmal durch die Stadt gelaufen. Perth ist relativ klein dafür, dass es die größte oder besser gesagt, die einzige Großstadt im Westen Australiens ist. Trotzdem gibt es unglaublich viel zu entdecken, aber dazu später mehr. Erstmal gönnen wir uns einen Cuppa. T2 hat eine riesige Auswahl an verschiedensten Tees. Ob heiss oder kalt, es ist für jeden etwas dabei. Pam ist völlig aus dem Häuschen. Für mich als Nicht-Teetrinker: naja, es ist halt kein Kaffee. Immerhin ist er gratis. Ja, richtig gehört, gratis. Denn man darf hier so viel Tee testen wie man möchte. Da ich wirklich durstig bin, habe auch ich ein, zwei Tässchen probiert und ich muss sagen: gar nicht mal schlecht. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass er nichts gekostet hat oder wir währenddessen viele nette Unterhaltungen mit anderen Teetrinkern geführt haben. In etwa einer halben Stunde, haben wir dann aber doch alles probiert, was es zu probieren gab. 30 Tassen Tee später, denke ich: jetzt ein Kaffee, das wär’s. Gedacht, getan. Okay fast, an der Gedankenübertragung müssen wir noch etwas arbeiten. Natürlich musste ich meinen Wunsch schon noch äußern, daher: gesagt, getan. Also um’s Eck, in die Murray Street zu Nespresso. Und dort geht unsere kostenlose Tour weiter. Wir gönnen uns einen gratis Kaffee. Für uns Europäer ist das Ganze äußerst überraschend. Wir können es kaum glauben, aber man kann hier wirklich einfach in den Nespresso Laden laufen, sich eine Kapsel aussuchen und sich davor, wenn man möchte, noch äußerst ausführlich beraten lassen, welche Kapsel zur momentanen Gefühlslage am besten passt. Darüber hinaus fragt der sichtlich homosexuelle Herr hinter der Theke, wie ich meinen Kaffee denn gerne hätte. Von Espresso über Latte Macchiato, bis zu hin zu Eiskaffee, es gibt alles. Mein Kaffeeherz schlägt gleich ein bisschen schneller.

zu-fuss

CAFÉS

Es gibt scheinbar viele Kunden, die tagtäglich ihren Wachmacher am Morgen bei Nespresso beziehen. Wenn man aber mal für seinen Kaffee bezahlen möchte, hat Perth ausgesprochen viele gute Cafés zu bieten. Die Kaffeekultur ist hier in Australien sowieso recht groß. Man muss echt suchen, bis man einen schlechten Kaffee bekommt. Selbst der Kaffeevollautomat bei 7-Eleven, der einem einen Kaffee für AU$1 (sagen wir mal, sehr wenig in € / CHF) oder einen Eiskaffee für AU$ 2 brüht, ist mehr als akzeptabel. Zusätzlich beweisen die Australier Geschmack, was die Einrichtung ihrer Cafés angeht. Ich liebe ja den Industrie-Stil und die Aussie’s anscheinend auch. Und so komme ich kaum an einem Café vorbei, in das ich mich nicht am liebsten direkt hinein setzen möchte.
Hier eine kleine Auswahl meiner Lieblinge bis jetzt:

Uncle Joe’s, 74-76 King St, Perth WA 6000
Café, Barbier und Kleidergeschäft in einem. Uncle Joe’s ist der Inbegriff von hip und zeigt die urbane Entwicklung in Perth bestens. Es wird alles mögliche zusammengemischt, bis etwas Neues, noch besseres entsteht. Außerdem können so fast alle Bedürfnisse gleichzeitig befriedigt werden. Während Pam einen gratis Barttrimm bekommt, trinke ich genüsslich meinen Café Latte nebenan und esse Coconut Bread. Das ist ähnlich wie Bananenbrot, nur, wie es der Name schon sagt, mit Kokosnuss.
https://www.unclejoes.com.au/

Little Sisto, 145 Sackville Terrace, Doubleview WA 6018
Dieses nette kleine Café im Vorort Doubleview hat einiges zu bieten: eine tolle Einrichtung, eine fantastische Frühstücks-/Snackkarte und einen coolen Barista (Pams Cousin), der leckeren Kaffee zaubert. Eigentlich ist unser Magen bei Ankunft gefüllt. Das Essen der anderen Gäste hat uns aber direkt wieder hungrig gemacht. Und so haben wir uns doch noch was Kleines gegönnt. Ich habe ungefähr meine zweihundertste  Variation des bekannten Bananenbrots probiert. Es gab Bananen-Zucchini-Walnuss-Brot. Mmmmh. Wem es bis jetzt noch nicht aufgefallen ist: ich liebe Bananenbrot und Pam liebt seine Sandwiches. Deswegen hat er sein “Classic-Bacon-and-Egg-Sandwich” auch nahezu verschlungen – ich denke also, er würde meiner Empfehlung sofort zustimmen.
http://www.littlesisto.com.au/

The Wolf The Bean The Walnut, 6/800 Hay St, Perth WA 6000
Wow, die Bagels hier… und die Kekse… Ich könnte direkt schon wieder essen. Das letzte Bananenbrot ist aber auch schon mindestens 10 Minuten her. Trotzdem schaffe ich es mit aller Kraft, den Bagels den Rücken zu kehren. Jedoch nur um den anderen Teil der Kühlvitrine zu sehen. Es sieht alles so verdammt gut aus. So zum Beispiel auch die Lunchboxen, die man sich am Mittag holen und irgendwo draußen essen kann. Es ist aber noch nicht mal Mittag und wir haben gerade erst ausgiebig gefrühstückt. Also verlassen wir das Kaffee schweren Herzens wieder.
http://thewbw.com.au/

The Secret Garden Café, 7/329 Murray St, Perth WA 6000
Ein grünes Juwel im Großstadtdschungel zum Entspannen. Dieses Mal sind wir dran vorbei gelaufen, haben kurz das leckere Essen beschnuppert und das Ambiente bestaunt. Aber das nächste Mal können wir bestimmt nicht mehr widerstehen.
http://www.secretgardencafe.com.au/

the-secret-garden-cafe

STREET ART

Wenn wir uns nicht gerade von schönen Cafés in ihren Bann ziehen lassen – so viel Kaffee habe ich schon lange nicht mehr getrunken – bewundern wir die tolle Straßenkunst in Perth. Erstens, ist die Kombination von alten und modernen Gebäuden einfach überragend. Und zweitens, wenn man erstmal darauf achtet, fällt einem auf, wie viele Kunstwerke eigentlich die Wände säumen. Obwohl Melbourne als das Mekka für Street Art in Australien gilt, ist Perth der Metropole in dieser Hinsicht dicht auf den Fersen. Pam und ich sind begeistert, denn wir beide genießen es mehr, die Straßen entlang zu schlendern, als steif im Museum rum zu stehen. Daher ist mein absoluter Favorit ein Bild, das eigentlich ziemlich einfach ist. Es zeigt ein Mädchen, das einen Ballon in Herzform hält. Da es mitsamt dem Ballon fast wegfliegt, ist es für mich ein Sinnbild von Freiheit. Frei wie ein Vogel, frei wie ein entflohener Sträfling oder einfach frei, wie ich es zur Zeit bin. Da geht mir gleich das Herz auf. Aber genug herum philosophiert, weiter im Text: anders als in einem Museum, haben wir in den Straßen außerdem unsere eigenen Fremdenführer: Pams Cousins. Die kennen hier in Perth nicht nur Gott und die Welt, sondern zeigen uns auch noch das eine oder andere kleine Schmuckstück in ihrer Stadt.

UNTERWEGS IN PERTH

In der Innenstadt bewegt man sich am schnellsten und zudem am günstigsten zu Fuss oder mit den kostenlosen Bussen. Die Stadt ist aber ziemlich weitläufig und hat viele sehenswerte Vororte und Strände. Diese sind wiederum am besten mit dem Auto zu entdecken, weil die öffentlichen Verkehrsmittel außerhalb des Stadtkerns nicht so gut ausgebaut sind.

Zu Fuß:
Wie gesagt, kann man in der Innenstadt sehr gut ein bisschen rum spazieren. Ich würde das sogar empfehlen, denn es gibt viel zu entdecken. Und es gibt ein paar kleine Gässchen, in die kein Auto oder Bus passt.. Die Shafto Lane beispielsweise beherbergt zahlreiche Restaurants und Bars. Oder London Court, eine in den 30er Jahren gebaute Einkaufspassage im alten London-Stil. Aber lasst euch nicht von den winzigen Sträßchen täuschen – Perth ist ziemlich weitläufig. Australien ja sowieso so riesig, dass man es kaum fassen kann. Die gesamte Landfläche von Westaustralien beträgt 2.529.880 km² und ist damit sieben Mal so groß wie Deutschland. Ja, richtig gehört, wie Deutschland. Und jetzt ratet mal, wie oft die Schweiz in Deutschland passt? Ganze acht Mal!

dsc01788

Bus:
Wer genug vom Laufen hat, kann sich einfach in den Bus setzen und ein bisschen durch die Stadt fahren lassen. Tagsüber bedienen nämlich vier kostenlose Buslinien, die sogenannten CATS: Yellow CAT, Blue CAT, Red CAT und Green CAT, den Innenstadtbereich im 5-10 Minutentakt. Von denen hat Pam euch ja schon kurz was erzählt, in seinem Blogartikel über den Kings Park.
Auch außerhalb der FTZ (Free Travel Zone) gibt es eine Vielzahl an Bussen, die einen von A nach B bringen. Wir wohnen in Wembley. Von hier aus brauchen wir gerade mal zehn Minuten mit dem Bus in die Innenstadt. Wenn wir Bock haben oder sparen müssen, können wir sogar zu einer der weiter entfernten kostenlosen CAT Haltestellen laufen. Ansonsten fährt der Bus direkt vor der Haustüre und wir bezahlen AU$ 3 für Zone 1. Das sind umgerechnet 2,10 € / CHF 2.30, also auch überschaubar.

Zug:
Je weiter man sich von der Innenstadt entfernt, desto spärlicher wird das Busnetz. Wenn man Glück hat und in der Nähe eines Bahnhofs wohnt oder sehr schnell zu einem rennen kann, ist der Zug eine recht gute Alternative. Dieser verbindet beispielsweise auch etwa Perth mit Fremantle, einer kleinen und ausgesprochen schönen Hafenstadt südlich von Perth – aber dazu mehr in einem anderen Blogartikel.
Allgemein gilt außerhalb der Innenstadt diese Faustregel: eine Fahrt, die mit dem Auto etwa 10 Minuten dauert, kann schon mal um die zwei Stunden in Anspruch nehmen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Auto:
Daher ist das Auto wohl die unkomplizierteste Art der Fortbewegung in den Vororten. Das Angenehme: man findet meist sogar ohne große Probleme einen (kostenlosen) Parkplatz, selbst am Strand. Und an das Fahren auf der falschen Seite oder das Schalten und Blinken mit der falschen Hand, gewöhnt man sich auch relativ schnell. Glücklicherweise ist da, wo wir normalerweise den Blinker erwarten, der Scheibenwischer. Zu Beginn sind die Scheiben somit zumindest immer sauber.

Nicht nur weil wir in Perth mobil sein möchten, sondern hauptsächlich weil wir uns irgendwann die restliche Pracht Australiens reinziehen wollen, haben wir einen ausgebauten Van gekauft. Einen weißen 2003er Kia Pregio. Mehr über den Autokauf und was wir alles so beim Camping erleben, erzählen wir euch ein anderes Mal.
Jetzt ist aber erstmal wieder Zeit für Kaffee – wir gehen dann mal zu Nespresso und lassen uns beraten.

elizabeth-quay