Camping in Australien bedeutet Freiheit: einfach irgendwo direkt am menschenleeren Strand unter dem Sternenhimmel schlafen. So stellen sich die meisten das Campieren in Australien vor. Leider ist das in Wirklichkeit aber gar nicht so einfach, denn Wild-Campen ist hier grundsätzlich verboten. Unzählige Schilder weisen einen an den tollsten Stränden darauf hin, dass das Übernachten dort verboten ist – auch nicht im Fahrzeug. Ein bisschen enttäuschend ist das schon. Aber trotzdem gibt es in Australien viele Übernachtungsmöglichkeiten für Camper. Egal, wie abenteuerlich oder luxuriös man es gerne hat, da ist für jeden etwas dabei.

Wir haben in drei Monaten Westaustralien alle Camping-Varianten mindestens einmal ausprobiert und geben gerne ein paar Tipps:

WILD-CAMPEN

Australien ist ziemlich teuer, das weiss jeder. Und wem es nicht schon bei der Reiseplanung aufgefallen ist, der merkt es spätestens, wenn er das erste (und wahrscheinlich letzte) Schinken-Käse-Croissant bestellen möchte: AU$ 8 oder umgerechnet 5,60 € / CHF 6 ist sogar für schweizer Verhältnisse viel. Daher versucht man hier als Reisender zu sparen, wo’s nur geht. Und Übernachtungskosten eignen sich dafür ziemlich gut. Zusätzlich kommt noch die romantische Vorstellung dazu, irgendwo alleine in der Wildnis zu schlafen. Aber wie gesagt, ist es in Australien leider nicht gestattet, mit seinem Wohnmobil, Station Wagon oder Campervan einfach irgendwo zu übernachten. Sowohl auf Privatgeländen als auch an öffentlichen Plätzen (Nationalparks, Parkplätze, Strände usw.) ist das Campen in der Regel strikt verboten. Die Verbotsschilder sind kaum zu übersehen und reichlich vorhanden. Wer sich trotzdem dafür entscheidet, das Risiko einzugehen und hierbei erwischt wird, kann hoffen, dass es vom Ranger nur eine Verwarnung gibt. Oftmals wird man jedoch direkt zur Kasse gebeten und dann ist es leider vorbei mit dem Sparen. Denn meistens kostet einen das Vergnügen mindestens AU$ 100 pro Person, also etwa 70 € / CHF 75.

Tipps & Tricks
Man sollte auf jeden Fall nie irgendwo übernachten, wo ein Verbotsschild hängt. Da ist eine Strafe schon fast vorprogrammiert, wenn man erwischt wird. Für alle anderen Orte gilt: seinen Schlafplatz sorgfältig auszusuchen. Die Rangers sind meistens zwischen 6 und 7 Uhr morgens unterwegs auf ihrem Streifzug. Sollte man von ihrem durchdringenden Klopfen geweckt werden, hat man zwei Möglichkeiten. Man kann man entweder versuchen so zu tun, als ob man nicht da ist. Also nicht aufmachen, nicht bewegen und am besten nicht atmen. Nach zehn Minuten gibt der Ranger dann oftmals auf. Wer bis dahin noch nicht erstickt ist, hat meistens Glück im Unglück. Denn wenn der Ranger nicht mit Sicherheit bestätigen kann, dass er gerade jemanden beim Schlafen erwischt hat, klemmt er einem oft nur eine Warnung an die Windschutzscheibe. Wer sich jedoch nicht so gut tot stellen kann und auf frischer Tat ertappt wird beim unerlaubten Camping, sollte dem Ranger gegenüber Verständnis zeigen und stets freundlich bleiben. Womit wir zu Möglichkeit zwei kommen. Man erklärt dem Ranger, dass man seine Fahrt aufgrund von Müdigkeit nicht mehr fortsetzen konnte. In Australien darf niemand zum Weiterfahren gezwungen werden, der übermüdet ist und sich die Weiterfahrt aus diesem Grund nicht mehr zutraut. Je nachdem wo man sich zum Zeitpunkt der Ausrede befindet, drückt der Ranger vielleicht ein Auge zu.

WILD-CAMPEN IN STÄDTEN

In der Stadt zu campieren ist, wenn man sich nicht auf einem Campingplatz befindet, wie überall, verboten. Und wenn man hier erwischt wird, zählt die Ausrede, dass man müde war und nicht mehr weiterfahren konnte, leider nicht viel. Meistens gibt es schnell zu erreichende Unterkünfte, in denen man stattdessen hätte übernachten können. Trotzdem kann man sich in grösseren Ortschaften für ein paar Nächte wahrscheinlich gut irgendwo hinstellen und hat keine Probleme. Hierbei gibt es ein paar grundsätzliche Dinge zu beachten:

  • Niemals zwei Nächte hintereinander am gleichen Ort übernachten.
  • Seinen Schlafplatz sorgfältig auswählen.
    • Man kann sich beispielsweise auf einen öffentlichen 24 Stunden Parkplatz stellen – sofern da kein “No Camping”-Schild hängt.
    • Ansonsten sind Wohngebiete mit Strassen-Parkplätzen meistens gute Schlafplätze. Es ist ruhig, meistens dunkel und die Fahrzeuge können nicht genau den Häusern zugeordnet werden.
  • Keine Aufmerksamkeit erregen. Wenn man seinen Schlafplatz gefunden hat, ist Ruhe und Dunkelheit das A und O.
  • Morgens nach dem Aufwachen direkt wegfahren. Am besten zu einer “Day Use Area”, da gibt es meistens Toiletten, Picknicktische und Barbecue Grills.

WILD-CAMPEN AN STRÄNDEN

Die meisten öffentlichen Parkplätze an den Stränden sind vollgekleistert mit “No Camping”-Schildern. Diese Plätze werden von den Rangers auch oft kontrolliert und man muss mit Geldstrafen rechnen, wenn man erwischt wird. Also sucht man sich lieber ein anderes Plätzchen. Bessere Schlafmöglichkeiten direkt am Strand sind z.B. Surfspots. Die Surfer sind meistens schon sehr früh am Morgen unterwegs, um die beste Welle zu erwischen. Also selbst wenn ein Ranger zu seiner üblichen Zeit vorbei kommt, sind meistens schon viele andere Surfer zugegen und er kann somit nicht mehr genau sehen, ob jemand da übernachtet hat.

WILD-CAMPEN IN DER NATUR

Natürlich kann man sich auch irgendwo im sogenannten Busch ein Plätzchen zum Schlafen suchen. Hier gilt wohl, je abgelegener desto besser. Australien ist riesig und die Rangers können nicht alles abfahren und kontrollieren. Wenn man also Glück hat, kann man eine gute Weile unentdeckt die Natur Australiens genießen.

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Wild-Campen in Australien ist definitiv etwas, was man mal erlebt haben sollte. Aber der Gedanke, dass man am nächsten Morgen vom Ranger geweckt werden könnte, kann einen schon etwas nervös machen und unruhig schlafen lassen. So ging’s zumindest uns. Zum Glück gibt es für die Schisser unter uns, auch ein paar andere kostenfreie oder kostengünstige Alternativen. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass man für die Sicherheit oft etwas von der Schönheit des Stellplatzes hergeben muss.

REST AREAS (RASTPLÄTZE)

Da man in Australien wie gesagt dazu angewiesen wird, nicht übermüdet zu fahren, gibt es viele kostenlose Rastplätze am Highway (Autobahn), auf denen man sein Lager errichten darf, um sich von den Strapazen des Tages zu erholen. Die sogenannten „Designated Rest Areas“ befinden sich meist über 20 km vom nächsten Ort oder Campingplatz entfernt. Sie können variieren von einem einfachen Parkplatz, bei dem Mülleimer schon zur Luxusausstattung gehören, bis hin zu Stellplätzen mit Schatten, Picknicktischen, Barbecue Grills und Toiletten. Meistens haben die Rastplätze einen Maximalaufenthalt von 24 Stunden, aber normalerweise will man da sowieso nicht länger verweilen als nötig.

Tipps & Tricks
Übernachtungen auf Rastplätzen können zu geselligen Runden werden. Denn oft trifft man dabei Gleichgesinnte, mit denen man einen schönen Abend verbringen kann.

ROADHOUSES (RASTSTÄTTEN)

Roadhouses in Australien sind Raststätten, die sich in regelmäßigen Abständen auf den Highways befinden. Neben Sprit und Essen bieten sie oftmals auch günstige oder teilweise sogar kostenlose Stell- und/oder Zeltplätze an. Wir waren im Billabong Roadhouse, welches auf dem NW Coastal Highway in der Nähe von Meadow liegt. Da kann man nicht nur gratis übernachten, sondern sogar auch warm duschen. Auch sonst ist die Raststätte sehr zu empfehlen, das Personal ist freundlich und man wird bestens verpflegt.

Tipps & Tricks
Die Raststätten sind im Normalfall klimatisiert. Das alleine kann an manchen Tagen schon Grund genug für eine kleine Pause sein. Diejenigen, die wie wir ohne Klimaanlage fahren, können das bestimmt nachvollziehen.

BUSCH-CAMPING

Busch-Camping ist eine naturnahe und kostengünstige Camping-Variante. Diese sogenannten “Bush Camps” sind vermehrt in Nationalparks zu finden. Sie sind zwar überwiegend relativ spartanisch ausgestattet und verfügen oft nur über ein Bio- bzw. Plumpsklo und keine Duschen, aber dafür sind sie meistens wunderschön gelegen. Die Kosten belaufen sich normalerweise um die AU$ 10 pro Person pro Nacht (7 € / CHF 7.50). Hinzu kommt noch die Eintrittsgebühr für den Nationalpark (Entrance Fee). Diese kostet im Normalfall AU$ 12 pro Fahrzeug pro Tag oder AU$ 44 für einen Monat.

Abgesehen von denen in den Nationalparks, gibt es auch einige kostenlose Bush Camps, die zum Teil direkt am Strand liegen. Weil diese extrem beliebt sind, haben manche davon einen Maximalaufenthalt von drei bis sieben Tagen.

Tipps & Tricks
Wohnwagen und ähnlich lange Fahrzeuge sind in solchen Bush Camps meist nicht erlaubt. Außerdem sind diese Campingplätze oft ziemlich abseits gelegen und die Anfahrt erfolgt fast immer über eine Schotterpiste. Dies kann je nach Distanz und Fahrzeug sehr beschwerlich werden. Zudem gilt im Normalfall das “first come, first serve” Prinzip. Das bedeutet, es lohnt sich früh da zu sein. In einigen Fällen kann man aber vorher anrufen und nachfragen, ob es noch Platz gibt. Die Telefonnummern findet man online oder in den Camping-Apps, die weiter unten vorgestellt werden.

Verhaltensregeln im Busch
Der Grundsatz für Busch-Camper ist: „Take nothing but photographs, leave nothing but footprints”. Auf Deutsch übersetzt heißt das: Nimm’ nichts als Fotos mit und hinterlasse nichts als Fußspuren.

Um die Natur rein zu halten, ist es unerlässlich, dass sich jeder an ein paar Regeln hält:

  • Müll  Jeder hat seinen verursachten Müll fachgerecht zu entsorgen. Meistens sind Mülleimer vorhanden und wenn nicht, dann packt man seinen Müll einfach in eine der unzähligen Plastiktüten, die man bei seinem Einkauf im Supermarkt bekommt, und nimmt ihn mit bis zum nächsten Mülleimer.
  • Feuer – Ein großes Thema in Australien, ist das Feuer. Gerade in der Trockenzeit kann aus einem kleinen Feuer schnell ein flächendeckender Großbrand werden, weshalb das Feuermachen zu der Zeit auch oft verboten ist. Meistens gibt es in den Nationalparks einen Feuer-Barometer, der anzeigt, wie hoch das Risiko gerade ist.
  • Toiletten – Sind Toiletten, Plumpsklos oder irgendwelche andere Arten von Klos vorhanden, sind diese auch zu benutzen. Das entlastet die Natur.

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CAMPINGPLÄTZE

Die australischen Campingplätze sind im Normalfall sehr gepflegt und auch gut gelegen. Sie sind fast alle mit einer „Camp-Kitchen“ (Küche mit Kühlschrank), Duschen mit heißem Wasser und manchmal, wenn man Glück hat, mit einem Swimmingpool ausgestattet. Und einige bieten sogar WLAN an – oder so was ähnliches.
Je nach Saison, Ausstattung und Lage kostet eine Nacht zwischen AU$ 20 und 40 pro Fahrzeug für zwei Personen. Das sind etwa 14 – 28 € / CHF 15 – 30. Weitere Personen kosten extra. Für einen Platz mit Strom bezahlt man um die AU$ 5-10 mehr pro Nacht, also 3,50 – 7 € / CHF 3.70 – 7.50.

Tipps & Tricks
Kühlschrank, Swimmingpool und WLAN haben sich bei uns bei 45 Grad als die drei magischen Worte herauskristallisiert. Denn wenn dir sogar der Käse anfängt davon zu fließen, ist ein Kühlschrank einfach unerlässlich. Und über die Vorteile eines Schwimmbads bei solchen Temperaturen, müssen wir glaub gar nicht weiter reden. Zum Internet gibt es auch nicht viel zu sagen: es ist meistens ultra langsam und funktioniert mehr schlecht als recht, aber hey, es ist besser als nichts.

Die wenigen schattigen Plätzchen, die die Campingplätze manchmal bieten, sind oft schnell vergriffen, daher empfiehlt sich eine frühe Anreise. Einchecken kann man normalerweise so ab dem Mittag. Check-Out ist dann meistens um 10 Uhr am Abreisetag. Wenn man nett fragt, darf man manchmal aber auch etwas länger bleiben. Außerdem lohnt es sich beim Einchecken nach Rabatten zu erkundigen, denn viele Campingplätze bieten Spezialpreise ab drei Nächten.

CAMPINGFÜHRER FÜR AUSTRALIEN

Lange war die sogenannte “Camping-Bibel” von Camps wohl DER Campingführer für Australien. Es handelt sich um ein dickes Buch, in dem alle Campingplätze sowie auch kostenlose Schlafmöglichkeiten detailliert aufgeführt sind. Mit Anfahrtsbeschreibung versteht sich. Mittlerweile gibt es aber unzählige Webseiten und Apps fürs Smartphone, die die dicken Bücher ablösen. Camps ist auch nachgezogen und jetzt auch als App verfügbar. Des weiteren sind die zwei bekanntesten Apps sind wohl diese beiden:

Unsere Beurteilung
Wir haben die Apps getestet und können sie beide mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Sowohl Campermate als auch WikiCamps sind offline verfügbar, was in der Pampa von Australien oft unerlässlich ist.
Unsere Reise begonnen haben wir mit Campermate. Der Hauptgrund dafür war, dass die App kostenlos ist. Wir waren eigentlich auch ganz zufrieden damit, denn die Schlafmöglichkeiten werden übersichtlich auf einer Karte angezeigt. Sie führt sowohl kostenfreie Rastplätze als auch kostenpflichtige Campingplätze und bietet detaillierte Informationen und Kommentare zu den solchen.
Uns wurde dann aber von anderen Backpackern WikiCamps empfohlen, worauf wir die paar Euro investiert haben. Viel ist es ja nicht.
Erst fanden wir WikiCamps ultra unübersichtlich und konnten nicht verstehen, wieso uns das jemand empfohlen hat. Nach einer Weile jedoch haben wir uns an die Darstellung gewöhnt und praktisch nur noch WikiCamps benutzt. Denn sie zeigt einem noch mehr Schlafmöglichkeiten und auch “Day Use Areas” an. Die Plätze sind detailliert beschrieben und verfügen oft über Kommentare und Fotos von anderen Reisenden. So kann man sich vorab bestens informieren und weiss, was einen erwartet. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich mit Google Maps direkt dahin navigieren lassen. Das ist manchmal echt hilfreich, wenn das Bush Camp irgendwo ganz versteckt liegt.

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Unser Fazit nach drei Monaten Campen an der Westküste Australiens:

  • Beim Wild-Campen sollte man sich stets genügend Zeit lassen, den perfekten Schlafplatz zu finden.
  • In etwas grösseren Ortschaften ist es oft einfacher, ein geeignetes Plätzchen zum Schlafen zu finden, als in kleineren.
  • Für das Übernachten an Stränden hält man sich am besten an die Surfer. Sie wissen meistens wo die besten Spots sind.
  • Keine Angst vor der Natur. Sie tut einem normalerweise nichts, wenn man ihr nichts tut.
  • Ein Campingplatz kann sich gegenüber Bush Camps durchaus rentieren. Wenn man die Nationalparkgebühr (Entrance Fee) zu den Übernachtungskosten addiert, sind Campingplätze oftmals nicht viel teurer und bieten einiges mehr an Komfort.
  • Es gibt aber auch einige tolle kostenlose Bush Camps. Es lohnt sich also immer den Campingführer zu prüfen.
  • Die meisten Campingplätze verfügen über Trinkwasser. Wenn man jedoch irgendwo im Busch übernachtet, sollte man immer genügend Wasser mit sich führen.
  • Eine Kombination aus allen Camping-Möglichkeiten hat für uns sehr gut funktioniert:
    • Wenn man von A nach B kommen will, sind die kostenlosen “Rest Areas” oder “Roadhouses” auf dem Highway praktisch.
    • Um ein paar Tage irgendwo stationiert zu sein, sind Bush Camps oder Campingplätze empfehlenswert.
    • In Ortschaften kann man auch mal eine Nacht Wild-Campen. Wenn man dabei vorsichtig ist, bekommt man meistens keine Probleme.  

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Wer noch kein passendes Gefährt für die Australienreise hat, findet hier unsere Tipps zum Autokauf in Down Under: AUTOKAUF AUSTRALIEN: WIR ERKLÄREN AUSFÜHRLICH WIE’S GEHT