Nach einer rasanteren Fahrt, als uns lieb gewesen wäre, kommen wir dennoch lebend in Tam Coc an. Aber auf die Busfahrt gehe ich jetzt gar nicht weiter ein. Das wäre zu aufreibend. Diesem Thema widmen wir mal einen eigenen Blogpost.

Jedenfalls sind wir jetzt in der Ninh Binh Provinz. Sie ist eine der kleinsten Provinzen in Vietnam und liegt etwa 90 Kilometer südlich von Hanoi. Bekannt ist sie vor allem für die Kalksteinberge des Nationalparks Cuc Phuong – die sogenannte „Halong Bucht auf Land“. Nachdem wir gerade aus der wirklichen Halong Bucht kommen und die Kalksteinberge uns ziemlich gefallen hat, wollen wir uns das hier nicht entgehen lassen. Ausserdem haben wir uns gerade so an Boote gewöhnt.

TAM COC

Wir entscheiden uns, Tam Coc als Basis für unsere Ausflüge zu nehmen. Nicht nur, weil der Name uns jedesmal ein schelmisches Lächeln auf’s Gesicht zaubert, sondern auch weil es ein kleines Dorf ist, welches inmitten der schönen Natur liegt, anders als Ninh Binh, was einfach eine grosse Stadt und anscheinend nicht so sehenswert ist.

Da wir im Voraus keine Unterkunft gebucht haben, ist das unsere erste Priorität nach Ankunft. Aller Gute Dinge sind ja bekanntlich drei und somit entscheiden wir uns für die dritte Unterkunft, die wir uns anschauen. Wir übernachten im Thai Thuong Hotel. Es handelt sich hierbei um einen sogenannten „Homestay“. Pam und ich wohnen hier also bei einer Familie, die Zimmer in ihrem Haus vermietet. Diese Art zu hausen ist in Vietnam nicht unüblich. Uns gefällt’s. Wir fühlen uns gut aufgehoben und bekommen sogar jeden Morgen Frühstück.

AUF ERKUNDUNGSTOUR

Pam und ich mieten uns für zwei Tage einen Roller, um die Gegend zu erkunden. Es ist das erste Mal, dass wir uns trauen, in Vietnam Roller zu fahren. Wir sind ab der ersten Sekunde begeistert. Ich glaube auch, hier ist der perfekte Ort, um mit dem Rollerfahren zu starten. Der Verkehr ist bei weitem nicht so wahnsinnig wie in den Städten und man kann in Ruhe üben. Pam hat’s auch echt schnell raus, muss ich sagen. Nach kurzer Zeit fetzt er schon wie ein Grosser durch die kleinen Strässchen, weicht den Schlaglöchern (grösstenteils zumindest) und den Kühen (zum Glück ohne Ausnahme) aus, überholt die anderen lahmen Touristen und fährt bei rot über die Ampel – die Vietnamesen wären bestimmt stolz auf ihn. Und ich bin es auch. Zudem bin ich froh, dass er das so gut macht, denn es ist bei weitem die angenehmste Art, sich hier fortzubewegen. Laufen geht gar nicht. Erstens sind die Strecken zu weit und zweitens ist es viel zu heiss. Mit dem Roller durch die Gegend zu heizen macht nicht nur mega Spass, der Fahrtwind ist auch eine gelungene Abkühlung.

dsc05331

TRANG AN

Boats Boats Boats – wir wollen wieder auf’s Boot! Deshalb fahren wir als erstes nach Trang An. Das ist eine der drei möglichen Ausgangspunkte für eine Flussfahrt. Daneben gibt es noch Tam Coc und das Naturreservat Van Long. Uns interessieren vor allem die Kalksteinberge und die Grotten, daher ist Van Long raus. Wir haben also die Qual der Wahl zwischen Tam Coc und Trang An. Trang An bietet einem mehr Grotten, Höhlen und Tempel und ist bei vietnamesischen Touristen sehr beliebt. In Tam Coc gibt’s dagegen mehr Kalksteinberge. Ausserdem wird da mit den Füssen gerudert. Das alleine hätte uns beinahe überzeugt. Aber das Fuss-Rudern hat seinen stolzen Preis und spricht zudem eher ausländische Touristen an. Anscheinend viele davon, haben wir gehört. Das hat uns ein bisschen abgeschreckt – wir sind schliesslich in Vietnam und dann wollen wir lieber von vietnamesischen Touristen umgeben sein. Die winken einem immer so hoch erfreut zu vom Nachbarboot. Darum und wegen des Preises (Erinnerung: wir sind Sparfüchse) haben wir uns für Trang An entschieden. Und es war, wie ich finde, keine schlechte Entscheidung. Für 200.000 VND (8 € / CHF 8.70) pro Person schippern wir gute zwei Stunden auf einem Bambusboot auf dem Fluss herum.

dsc05247

Für die vietnamesische Ruderin war es bei diesen abartig heissen Temperaturen (gegen die 40°C) aber kein Zuckerschlecken und darum helfen wir ihr brav beim Paddeln. Sie führt uns durch so tiefe und enge Höhlen, bei denen wir unsere Köpfe einziehen und uns ganz klein machen müssen, damit wir durchpassen. Das war eindrücklich. Und eigentlich nicht, was wir erwartet haben. Denn wir waren hauptsächlich an den Kalksteinbergen interessiert. Aber die Höhlen haben uns trotzdem überzeugt. Wir würden Trang An auf jeden Fall weiterempfehlen. Und wenn man das Geld hat, lohnt es sich sicherlich, beide Bootsfahrten zu unternehmen, Trang An und Tam Coc – oder sogar alle drei.

dsc05151

BAI DINH PAGODE

Im Anschluss an unsere entspannende Bootsfahrt, wollen wir noch etwas Action. Genau genommen ist ein Tempelbesuch ja jetzt nicht wirklich aktionsgeladen sondern auch eher ruhig und hat was Meditatives. Dieser Tempelkomplex hat aber etwas, was es ziemlich anstrengend macht, ihn zu besuchen: er liegt auf einem Hügel. Und es sind heute wie gesagt um die 40°C und die Luftfeuchtigkeit liegt bei etwa 80%, gefühlt sind es aber mindestens 100%. Ein 30-40 minütiger Aufstieg ist unter diesen Voraussetzungen merklich kein Kinderspiel. Wir beginnen zu laufen, kommen aber nur 100 Meter weit, bevor wir es uns anders überlegen. Glücklicherweise kann man sich hier für 30.000 VND (1,20 € / CHF 1.30) mit einem Elektro-Golfwagen hinauf chauffieren lassen. Davon machen wir unter diesen Umständen gerne mal Gebrauch. Oben angekommen, waren wir erstmal überrascht wie gross die Anlage ist. Wir haben zwar gelesen, dass es der grösste buddhistische Tempel in Vietnam ist und einer der grössten in Südostasien, aber es dann „live“ zu sehen, war doch beeindruckend. Der Komplex besteht aus einer alten und einer neuen Pagode. Der neue Teil ist um einiges grösser und er wird auch ständig erweitert. Sollten wir also wieder einmal hier her kommen, finden wir dann bestimmt noch mehrere Buddhastatuen und Glockentürme. Wir sind gespannt.

dsc05259

BICH DONG PAGODE

Pam und ich sind ja eigentlich beide nicht so Tempelgänger. Aber hier gibt es unzählige davon und wir entschliessen uns nochmal einen anzuschauen. Ausserdem ist die Fahrt dahin so schön. Wir passieren viele Reisfelder und Flüsse. Und wenn wir vorbeifahren, unterbrechen die Einheimischen ihre Farmarbeit sogar für einen kurzen Moment, um uns zuzuwinken. Nun aber zur Tam Coc Bich Dong Pagode. Ist dieser Name nicht einfach zauberhaft? Zauberhaft ist aber auch die Pagode selbst. Dieser in den Felsen gemeisselte Tempel ist in drei Niveaus unterteilt: die untere, mittlere und obere Pagode. Wir fühlen uns wie in Tomb Raider. Ich nenne mich für einen Moment kurzerhand in Angelina um und stelle mir vor, ich wäre Lara Croft. Natürlich ohne das kurze, enge Outfit, denn ein solches würde in einer Pagode nicht geduldet.

dsc05327

THUY LINH RESTAURANT

Nach so vielen Erlebnissen werden wir hungrig. Ausserdem essen wir meistens den ganzen Tag nichts, da es einfach viel zu heiss dafür ist. So machen wir uns am Abend auf Restaurantsuche in Tam Coc. Hier gibt es eine Vielzahl an „Fast Foot“ und „Fash Food“ Läden, da ja allgemein bekannt ist, dass sich so gut wie jeder Tourist am liebsten von McDonalds und Co. ernährt – glauben zumindest die Vietnamesen. Trotzdem haben wir gerade keine Lust auf etwas, das nur mit viel Fantasie an einen Burger erinnert oder einen Hot Dog, zumal einem hier vielleicht wirklich „heisser Hund“ serviert wird. Wir lassen also die Schnellimbisse links liegen uns und finden eine wahre Perle: das Thuy Linh Restaurant.
Die Besitzerin, wahrscheinlich Thuy Linh höchstpersönlich, nimmt uns ausgesprochen herzlich in Empfang. Ansonsten gibt es eigentlich gar nicht viel zu sagen. Das Essen ist lecker und das Bier schmeckt gut. Und der Preis ist unschlagbar. Für zwei Abendessen und zwei grosse Bier bezahlen wir 90.000 VND, also umgerechnet 3,60 € / CHF 3.90. Das hat uns überzeugt.
Nachdem wir am zweiten Abend vergebens nach was Besserem gesucht haben, sind wir Thuy Linh treu geblieben. Sie hat’s gefreut und das Bier stand ab dann schneller auf dem Tisch, als wir uns hinsetzen konnten.

dsc05351

Nach weiteren vier Tagen in der „Halong Bucht auf Land“ haben wir die Kalksteinberge nun aber wirklich zu Genüge gesehen. Wir sagen Thuy Linh, unserem Roller und unserer Gastfamilie „Tschüss“ und ziehen weiter.